20 Jahre

"Begegnung mit Böhmen" ,

Böhmen Reisen

 

Kurzfassung unserer Geschichte:

Es gibt wohl keinen Unternehmer, dessen Geschäftsidee nicht irgendwie mit der „großen Geschichte“ zusammenhängt. Man macht es sich nur selten klar. Bei meiner Geschichte mit „Begegnung mit Böhmen“ liegt es aber auf dem Tablett. Sie begann 1990 und konnte nur in diesem geschichtlich besonderen Jahr beginnen.
Die Jahre vorher war ich als Theologe und Kulturwissenschaftler an der Uni tätig, wollte aber raus aus der Theorie, etwas Praktisches unternehmen. Von eigenen Fernreisen geschult, was man als Tourist alles falsch und kaputt machen kann, kam ich auf die Idee, mit Seminaren Fernreisen zu qualifizieren. Das gab es noch nicht. Ich hoffte auf Interesse der Reisenden und Unterstützung durch die Bonner Politik. Beides vergeblich. Das Projekt ist 1989 gescheitert.
Dann ging die Grenze auf. Vor der Haustüre, in Radfahr-Entfernung, war plötzlich eine Landschaft zugänglich, die bis dahin – touristisch gesehen – weiter von uns entfernt war, als Peru, Kenia oder Indien. Die Grenze ging über den Osser, keine zwei Kilometer vor meinem Geburtshaus. Die Schmugglergeschichten meines Großvaters, die von der ehemals reichen böhmischen Seite erzählten und dass dort die Natur viel wilder, das Bier viel besser und die Wirtshausstimmung viel ausgelassener war, hatte ich fast vergessen. Der Eiserne Vorhang und mein Fernweh nach exotischen Ländern hatten die Geschichten der Kindheit gänzlich in den Hintergrund gedrängt.
Februar 1990, eine Tagesfahrt nach Prag: Wir wurden vom Wenzelsplatz zum Hradschin geschleust, danach Einkaufsbummel, auf der Rückfahrt in Pilsen Auffüllen der Plastiktüten mit Bier und Sekt, das Schönste war der Blick aus dem Busfenster in den Böhmerwald.
Erst Sommer 1990 das Schlüsselerlebnis. Meine Frau und ich radelten über die Grenze, die Moldau entlang bis Krumau. Und waren hin und weg. Mit der wunderschönen Landschaft hatten wir noch halbwegs gerechnet, aber nicht mit dieser großartigen Kultur, die sich für uns im Westen im tiefsten Dornröschenschlaf befand.
Da war der Schritt in die Praxis sofort klar: andere Reisen nach Böhmen anbieten. Und wieder vor der Haustüre fand sich das Evangelische Bildungswerk Regensburg, das diese Idee unterstützte.
Jiří Franc und Egon Urmann waren die ersten Glücksfälle, denen ich bei meinen Erkundungen im Böhmerwald begegnete. Sie erklärten mir Tschechien und mit ihrer Übersetzungshilfe konnte ich an Haustüren in den Dörfern klopfen und fragen: „Haben Sie Betten?“ Denn Pensionen gab es nicht und in die grauen Funktionärshotels wollte ich nicht. Statt eine Unterschrift für meine vorbereiteten Verträge zu bekommen, musste ich fast für jedes reservierte Zimmer einen Schnaps trinken. Es war abenteuerlich und es war wunderschön.
Fünf Jahre lang konnte ich das Projekt langsam aufbauen, der Donau-Moldau-Verein bot Heimat für eine weitere Projektstelle. Ich organisierte und begleitete zusammen mit tschechischen Freunden jährlich circa 10 Rad- und Wanderreisen und später auch Skilanglauftouren. Damals noch unter dem doppelt passenden Titel „Böhmische Dörfer“. Denn es ging in das unbekannte ländliche Böhmen und eine Portion chaotische Entdeckerfreude war immer dabei, gewollt oder ungewollt.
Der Beginn wirkt noch heute. Unsere Reisen entstehen nicht nach einfachen Rezepten, die Komfort und Konsum mixen. Sie entstehen mit der Leidenschaft der Reiseleiter, die ihre spannenden Themen in ihren besonderen Landschaften aktiv und kreativ vermitteln wollen. Ein bisschen Abenteuer und ein sympathisches Chaos darf und soll es dabei auch weiterhin geben. Das gehört fast schon zum Konzept, wenngleich wir jetzt nicht mehr in 5-Bettzimmern mit dem „Heisl“ draußen übernachten, sondern zumeist in bequemen Familienpensionen.
Seit 1997 heißt unser Projekt „Begegnung mit Böhmen“. Es wurde ein selbständiges Unternehmen. Es hat sich vielfältig weiterentwickelt, mit dem Schwerpunkt Literaturreisen und Kulturwandern, mit vielen Glücksfällen als Reiseleitern und mit der Ausdehnung über Mähren, Slowakei, Polen, Slowenien (und auch Ostbayern undMecklenburg).

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20 Jahre Begegnung mit Böhmen

Es gibt wohl keinen Unternehmer, dessen Geschäftsidee nicht irgendwie mit der „großen Geschichte“ zusammenhängt. Man macht es sich nur selten klar. Bei der Geschichte von „Begegnung mit Böhmen“ liegt es aber auf dem Tablett. Sie begann 1990 und konnte nur in diesem geschichtlich besonderen Jahr beginnen.
Die Jahre vorher war ich als Theologe und Kulturwissenschaftler an der Uni tätig, wollte aber raus aus der Theorie, etwas Praktisches unternehmen. Von eigenen Fernreisen geschult, was man als Tourist alles falsch und kaputt machen kann, kam ich auf die Idee, mit Seminaren Fernreisen zu qualifizieren. Das gab es noch nicht. Ich hoffte auf Interesse der Reisenden und Unterstützung durch die Bonner Politik. Beides vergeblich. Das Projekt ist 1989 gescheitert.
Und 1989 ging die Grenze auf. Vor der Haustüre, in Radfahr-Entfernung, war plötzlich eine Landschaft zugänglich, die bis dahin – touristisch gesehen – weiter von uns entfernt war, als Peru, Kenia oder Indien. Die Grenze ging über den Osser, keine zwei Kilometer vor meinem Geburtshaus. Die Schmugglergeschichten meines Großvaters, die von der ehemals reichen böhmischen Seite erzählten und dass dort die Natur viel wilder, das Bier viel besser und die Wirtshausstimmung viel ausgelassener war, hatte ich fast vergessen. Der Eiserne Vorhang und mein Fernweh nach exotischen Ländern hatten die Geschichten der Kindheit gänzlich in den Hintergrund gedrängt.
Februar 1990, eine Tagesfahrt nach Prag: Wir wurden vom Wenzelsplatz zum Hradschin geschleust, danach Einkaufsbummel, auf der Rückfahrt in Pilsen Auffüllen der Plastiktüten mit Bier und Sekt, das Schönste war der Blick aus dem Busfenster in den Böhmerwald.
Erst Sommer 1990 das Schlüsselerlebnis. Meine Frau und ich radelten über die Grenze, die Moldau entlang bis Krumau. Und waren hin und weg. Mit der wunderschönen Landschaft hatten wir noch halbwegs gerechnet, aber nicht mit dieser großartigen Kultur, die sich für uns im Westen im tiefsten Dornröschenschlaf befand.
Da war der Schritt in die Praxis sofort klar: andere Reisen nach Böhmen anbieten. Und wieder vor der Haustüre fand sich das Evangelische Bildungswerk Regensburg, das diese Idee mit einer Projektstelle unterstützte.
Jiří Franc und Egon Urmann waren die ersten Glücksfälle, denen ich bei meinen Erkundungen im Böhmerwald begegnete. Sie erklärten mir Tschechien und mit ihrer Übersetzungshilfe konnte ich an Haustüren in den Dörfern klopfen und fragen: „Haben Sie Betten?“ Denn Pensionen gab es nicht und in die grauen Funktionärshotels wollte ich nicht. Statt eine Unterschrift für meine vorbereiteten Verträge zu bekommen, musste ich fast für jedes reservierte Zimmer einen Schnaps trinken. Es war abenteuerlich und es war wunderschön.
Fünf Jahre lang konnte ich das Projekt langsam aufbauen, der Donau-Moldau-Verein bot Heimat für eine weitere Projektstelle. Ich organisierte und begleitete zusammen mit tschechischen Freunden jährlich circa 10 Rad- und Wanderreisen und später auch Skilanglauftouren. Damals noch unter dem doppelt passenden Titel „Böhmische Dörfer“. Denn es ging in das unbekannte ländliche Böhmen und eine Portion chaotische Entdeckerfreude war immer dabei, gewollt oder ungewollt.
1991 waren es 4 Reisetermine, 1997 immerhin schon 40. In dem Jahr meldete ich „Begegnung mit Böhmen“ als Unternehmen beim Gewerbeamt an. Wir hatten schon viele Stammkunden, so konnte ich davon ausgehen, dass die Reisen einen Gewinn bringen könnten, der einem Durchschnittseinkommen nahe kommt.
Bis 1994 hatten wir keinen einzigen Radtouristen im Böhmerwald getroffen, weder deutsche noch tschechische. 1997 gab es schon hunderte Radtouristen entlang der Moldau und den Quellbächen der Otava. Zum Radeln und Wandern kamen Kanu, Eltern Kind-Reisen und vor allem Skilanglauf.
Bei letzterem hatten wir gleich am Anfang einen Glücksfall: Eine Redakteurin der Zeitschrift Brigitte fuhr mit. Trotz der einfachsten Bedingungen (Mehrbettzimmer, Etagendusche, 2 Tage eingeschneit) erschien im November 1995 ein 6-seitiger begeisterter Bericht: „Von Dorf zu Dorf durch die verschneite Landschaft“. Zum Glück waren wir vorbereitet und hatten für den nächsten Winter gleich 9 Langlaufwochen ausgeschrieben. Alle waren ausgebucht: 70% Frauen, 15% Freunde und Ehemänner und 15% Männer, die gestehen mussten, dass sie beim Zahnarzt die Brigitte gelesen haben.
Es begann die Zeit, in der jedes Jahr bei 5 bis 10 Reiseterminen Journalisten mitreisten. Von der MZ bis zum Hamburger Abendblatt, von der FAZ bis zur „ZEIT“, überall hatten wir sehr gute, oft richtig begeisterte Artikel. Und einige Journalisten wurden sogar zu privaten Stammkunden. Einer auf ganz besondere Art. Das kam so:
Auf meinen Rad- und Wanderreisen hatte ich entdeckt, wie Geschichte, Natur und Kultur sich an vielen Stellen am schönsten und einfachsten mit einer passenden Lesung vermitteln lassen. Wer könnte die Natur besser beschreiben als Adalbert Stifter, wer die Alltagsgeschichten, das Leben der Freibauern und ihrer Knechte und Mägde besser als Karel Klostermann. Dazu gab es wunderbare Böhmerwald-Texte z.B. von Karel Čapek oder Johannes Urzidil, später von Josef Holub ... Die Reisenden waren höchst angetan. Literatur gab (gibt) der Landschaft und den Orten eine neue Dimension (was übrigens auch umgekehrt gilt). Ein echter Mehrwert fürs Reisen (und umgekehrt fürs Lesen).
So machte ich 1997 einen ersten Versuch einer expliziten Literaturwanderung durch den Böhmerwald. Auch dazu meldete sich ein Journalist, der über Freunde davon erfuhr und für die FAZ berichten wollte. Es war Arthur Schnabl. Noch während der Reise entwickelten wir ein Konzept für künftige LiteraTour-Angebote in Böhmen.
Seitdem machten wir fast jedes Jahr eine neue, anstrengend-schöne Erkundungstour auf literarischen Spuren. „Zwischen Cafehaus und Kneipe“ (Prag), „In Wolken gehen“ (Riesengebirge), „Elegien in Böhmen“ (Bäderdreieck), „Im Schatten des Holunders“ (Mähren) ...  Im jeweils folgenden Jahr setzten wir dann die Erkundung in 2-3 Reisetermine um. Die dann oft schon vor der offiziellen Ausschreibung ausgebucht waren.
Die Sparte „Kulturreisen“ rückte in den Vordergrund. Da gab es noch ein weites freies Feld, das zudem in der Öffentlichkeit große Beachtung fand. Oft ganzseitige Presseartikel wie „Stille Tage, schöne Zeilen“ (Rheinischer Merkur, 1999), „Erlesene Heiterkeit“ ( DIE ZEIT, 2002), „Zum Nachtisch gibt es Rilke“ (SZ, 2002) oder „Mährische Farbenlehre in Poesie und Wein“ (Sonntag Aktuell, 2005) rühmten unser neuartiges literarisches Reisekonzept. Sogar das Bayerische Fernsehen drehte mehrere Filme mit und über uns. Dazu begann die schmeichelhafte Zeit der großen Preise. Zehn begehrte Auszeichnungen erhielten wir zwischen 1999 und 2005. Touristikzeitschriften wie GeoSaison (Goldene Palme 2001 und 2005) oder Sonntag aktuell (Touristikpreis 2004), der BUND, ökologisch orientierte Parteien beiderseits der Grenze und Vereine der deutsch-tschechischen Freundschaft würdigten und empfahlen unsere natur- und kulturnahen Begegnungen.
Es ist klar, dass es mir angesichts der vielen Würdigungen und der entsprechend großen Nachfrage-Erfolge leicht fiel, fast zu leicht, die Kultursparte auszubauen. Auf Erkundungsreisen lernte ich immer wieder Kulturmenschen kennen, deren authentische Vermittlungskompetenz faszinierte und die ich möglichst gleich als Reiseleiter gewinnen wollte – für ihre besonderen Kulturthemen, z.B. Klöster, Architektur- und Kunstgeschichte, Musik ... Wir suchten mit den neuen Reiseleitern eine Verbindung ihrer speziellen Themen mit Alltagskultur und Alltagsbegegnungen des Reisegebietes. Mehrmals waren es sogar kulturbegeisterte Stammkunden, die ihre Reiseideen zu ihren Lieblingsregionen im Osten einbrachten und dann mit Hilfe von Freunden vor Ort auch umsetzten.
Unsere Reisen entstanden also nicht nach einfachen Rezepten, wie man erfolgreich Komfort und Konsum in einer boomenden Reiseregion mixt. Sie entstanden mit der Leidenschaft der Reiseleiter, die ihre spannenden Themen in ihren besonderen Landschaften aktiv und kreativ vermitteln wollten. So erkundete ich mit den jeweiligen Begleitern langsam aber stetig jedes Jahr 2 bis 3 weitere Kulturregionen. Teils in deren Heimatregionen, teils auch in abseitigen Gebieten und mit abseitigen Themen, vom Jüdischen Polen bis zu den Rhodopen, von Niederschlesien bis zur Lemken-Region nahe der Waldkarpaten, von Eugen Oker bis Bohumil Hrabal. Zuletzt war es Mecklenburg und eben die Datscha Hrabals, für zwei neue Reisen 2011.
Was hat sich verändert in den 20 Jahren? Bei den Reiseangeboten, bei der Nachfrage und vor allem im Reiseland? – Wenn ich an die ersten Reisen denke, an die 5-Bettzimmer in alten Bauernhäusern, ist mir, als hätte sich alles radikal geändert. Inzwischen gibt es längst die damals so ersehnten Familienpensionen und Privatvermieter. Bei manchen waren wir die ersten Gäste, für einige vielleicht sogar eine wichtige Starthilfe.
Heute bräuchte es solche Starthilfe aus dem Westen kaum mehr. Tschechien hat wirtschaftlich groß aufgeholt, das riesige Devisengefälle ist fast aufgehoben. Im Radio war kürzlich ein Bericht, dass die meisten Pensionen in Bayerisch Eisenstein tschechische Besitzer haben und dass die Häuser auf bayerischer Seite preisgünstiger sind als auf tschechischer.
Natürlich gab es auch bei der Nachfrage Veränderungen. Unsere Gäste (deren Durchschnittsalter in den 20 Jahren halb mitgewachsen ist, um ca. 10 Jahre) wünschen mehr Komfort, insbesondere Du/WC am Zimmer, buchen inzwischen meist Einzelzimmer und freuen sich z.B. über den abschließbaren Fahrradkeller oder über die Sauna im Winter. Den großen Wellness-Luxus erwartet aber weiterhin niemand, der das Reiseprogramm liest. Vielmehr wird durch die Ausschreibung sehr deutlich, dass wir vom Kunden Interesse und Sympathie für die Reiseregion voraussetzen. Und dies prägt – von Anfang bis heute –  die Harmonie der Gruppen, wie fast jedes Feedback von Neukunden angenehm überrascht rückmeldet.
Der zunehmende Komfort hat manchmal skurrile Folgen. Als bei Zimmerqualität, Sauberkeit und Service der gute Standard erreicht war, sahen manche Kunden Mängel, die es zuvor gar nicht geben konnte. Ob dies ein zu harter Schreibtischstuhl ist oder der fehlende Balkon, den die Nachbarn hatten. Freude am Abenteuer des Nicht-Komforts haben zumeist nur noch wenige ganz alte Stammkunden oder ein paar ganz junge Gäste. Heute müssen die Abenteuer kalkulierbarer sein, der Reiseleiter sollte sie möglichst angenehm vermitteln.
Dennoch ist es vor allem ein Glück, dass touristische Infrastruktur und Service sich in Böhmen langsam einem sog. Weststandard angepasst haben. Die häufigen Überbuchungen der Quartiere, die mich in den Anfangsjahren so viele Nerven gekostet haben, gibt es schon lange nicht mehr. Auch die Gastronomie ist flexibler und lockerer geworden. Bei höflicher Anfrage darf man inzwischen fast in allen Biergärten Tische zusammenstellen.
Andererseits passierte es uns noch vor kurzem, dass wir trotz Vorankündigung den einzig möglichen Gruppenraum einer Pension für eine Gesprächsrunde mit unserem Referenten nicht nutzen durften, weil Bekannte der Wirtsfamilie in dem Raum ihre Telenovela schauen wollten. Gerade in Westböhmen hält sich teilweise noch eine Skepsis gegenüber den möglicherweise arrogant wirkenden Ansprüchen von Westtouristen. Je weiter wir dann wieder nach Osten kamen in Richtung katholisches Mähren, desto eher fanden wir Verständnis gegenüber unseren extravaganten Kulturreise-Bedürfnissen.
Überhaupt sind die Erfahrungen mit dem Wandel in Tschechien nach der Wende äußerst vielschichtig. Von unseren Erfahrungen als Touristiker habe ich erzählt. Was generell den kulturellen Wandel vor Ort betrifft, da müsste ich Bücher schreiben. Ich muss und will mich hier mit dem Rückblick auf den Böhmerwald beschränken (und meine lieben Mitarbeiter aus den entfernteren Regionen um Verzeihung bitten). Denn selbst vom Böhmerwald kann ich nur ein paar ausgewählte Streiflichter erwähnen:
Dass der alte „Geist von Krumau“ natürlich längst verschwunden ist, dass die Unesco-Stadt mit einer seltsamen Museumsvielfalt (vom Egon-Schiele-Zentrum bis zum Wachsfigurenkabinett) im Sommer halb japanisch ist, dass – um nur eines der vielen ironischen Bonmots von unserem Stadtbegleiter Ivan Slavík zu zitieren – keine der drei großen Pestepidemien die Altstadt so radikal entvölkert hat, wie der Tourismusboom nach 1991 ...
Dass die Kirche im ehemaligen Wallfahrtsort und späteren Militärzentrum Dobra Voda / Gutwasser wieder einen wunderbaren Altar hat, von einer tschechischen Glaskünstlerin gemacht, dass aber der Friedhof dahinter seinen Erinnerungscharakter an das vertriebene Land weitgehend verloren hat, den er in seinen verwilderten Zeiten noch hatte, zusammen mit der Aufschrift „Volksschule“, die an der gegenüberliegenden Militärgebäude-Ruine noch durchschimmerte, welche heute frisch verputzt, nichtssagend und verschlossen dasteht. Dass im benachbarten Städtchen Hartmanice die Synagoge renoviert wurde und eine (fast schon zu) perfekte Ausstellung mit eindrücklichen Hörbeispielen der jüdischen und deutschen Schicksale im Böhmerwald zwischen Einmarsch und Vertreibung beherbergt. Dass aber dieses Museum aus Deutschland kaum 10 % der Besucherzahl des Stifter-Geburtshauses in Horni Plana / Oberplan hat, das auch sehr gute Ausstellungen beherbergt und wohl eines von ganz wenigen staatlichen Museen in Mitteleuropa ist, das Gewinn macht.
Dass grenzübergreifende Zusammenarbeit zwar gerne mit politischen Reden und EU-geförderten Festlichkeiten zur Schau gestellt wurde und wird, aber dauerhaft meist nur dort klappt, wo aufgrund von Freundschaften Projekte durchgeführt werden. Im Ernstfall waren und sind die Landkreise und Gemeinden eher Konkurrenten als Partner. Daran änderte auch die „Euregio Bayerischer Wald, Böhmerwald, Unterer Inn“ wenig. Schon die Tatsache, dass selbst die Euregio auf den neuzeitlich aus touristischen Abgrenzungsgründen entstandenen Kunstbegriff „Bayerischer Wald“ nicht verzichten wollte, dass man sich nicht einfach „Euregio Böhmerwald“ nennen konnte, spricht Bände. Es wäre eine so leichte, in den Schoß gefallene Chance gewesen, den Böhmerwald wieder als ein grenzüberschreitendes Gebiet zu verstehen, welches er seit jeher war, der Wald („Woid“) eben, für die Römer „Hercynia silva“, für die Griechen „Gabreta hyle“ (keltisch „Geißenwald“). Zwar betont man auf allen Seiten gerne „das größte zusammenhängende Waldgebiet Europas“, aber eine Strategie, dieses Gebiet z. B. touristisch gemeinsam zu vertreten, gibt es nicht. Leider kann nicht einmal die große Chance eines grenzübergreifenden Nationalparks genützt werden, zu unterschiedlich waren und sind die ökologischen und pädagogischen Konzepte auf Seiten der bayerischen und der böhmischen Verwaltung. 
Nur einzelne Projekte klappten, viele davon zuvorderst, weil es bei Zusammenarbeit EU-Fördergelder gibt. Im höchstgelegenen Böhmerwalddorf Bučina / Buchwald oberhalb Finsterau, sicher das Dorf mit dem schönsten Ausblick, haben die beiden Nationalparks bald nach der Wende ein lehrreiches zweisprachiges Infozentrum zu Wald und Region platziert. Überhaupt hat dieses Dorf – nach dem Drama der Vertreibung und der endgültigen Schleifung der etwa 25 Häuser im Jahr 1956 – heute schon wieder eine vielsagende neue Baugeschichte: Die kleine Kapelle des Micheibauern wurde 1992 wieder geweiht, im Dorf unterhalb wurde der Friedhof und sogar ein Kriegerdenkmal saniert. Ein Bankerl mit Totenbrett, das ein Nachkomme zur Erinnerung an seinen Großvater aufgestellt hat, ohne bei der zuständigen Gemeinde in Kvilda anzufragen, musste aber wieder entfernt werden. Dann, erst vor ein paar Jahren, hat – dem Hörensagen nach ein hochgestellter Prager Politiker – die Ruine des ehemals schönsten und größten Hotels „Alpenblick“ renovieren lassen, architektonisch gar nicht schlecht, nach alten Plänen, aber wohl gegen die Nationalparkvorschrift um ein paar Meter zu hoch. Offensichtlich klappt Korruption in Tschechien doch nicht überall, jedenfalls steht es jetzt als mahnende, weithin sichtbare Neubauruine rum. (Stand Oktober 2010: Bei meiner letzten Wandertour sah ich, dass das Haus nun offenbar doch in Betrieb gegangen ist.)
Zwischen Neubauruine und Nationalpark-Infozentrum kann man seit 2009 einen Teil des ehemaligen Eisernern Vorhangs besichtigen, mit Stacheldraht, Elektrozaun, Panzersperren ... Man musste alles neu aufstellen, denn Winter 1990 hat man etwas übereifrig alle Grenzanlagen spurlos weggeschafft, an Museumszwecke wollte man damals nicht denken. Nachdem sich die Natur per Wildwuchs auch noch die kilometerlangen „Todesstreifen“ mit ihren pestizidbehandelten Sandboden zurückgeholt hat, hat diese junge Grenzgeschichte endlich auch sein museales Zeugnis in der Landschaft bekommen.
In Vyssi Brod / Hohenfurth existieren immer noch die vietnamesischen Stände mit ihren tausenden Gartenzwergen, obwohl auch fast alle Läden und Cafes am Hauptplatz Vietnamesen gehören. In den aktuellen Abiturjahrgängen – sagte uns unser Musik-Reiseleiter, der dort Stadtrat ist – sind meist Vietnamesen die besten Schüler. Das Kloster nebenan, das Jahrhunderte lang Macht- und Geist-Zentrum der Region war, ist wieder von Zisterzienser-Mönchen besiedelt. Aber das Volk außerhalb wird nur mit Eintrittsgeld zu musealen Führungen in die Kirche gelassen, nicht zu den täglichen Gebeten und Gottesdiensten. Ganz im Gegensatz zum ehemaligen Kloster in Kajov / Gojau nahe Krumau, wo vier Münchner Ordensschwestern um die gotische Kirche wieder ein Gemeindezentrum aufbauen, Obdachlose aufnehmen, Kranke pflegen und Musikunterricht für Kinder anbieten.
Und, und, und ... Es gäbe dutzende weiterer Streiflichter zu erzählen. Man muss hinwandern oder hinradeln und den guten Erzählern begegnen, um auch ein wenig hinter die Kulissen schauen zu können. Vermutlich findet man bis heute kaum interessantere Reiseregionen als die Nachbarländer im Osten.
Unsere Stammkunden werden das bestätigen. 3 waren schon mehr als 35 mal mit uns auf Reisen, über 50 mehr als zehnmal und über 300 mehr als fünfmal. Das ist der Stolz des Unternehmens und sein bestes Zeugnis, aber gleichzeitig ein strukturelles Manko. „70 % Stammkunden sind das beste Qualitätszeichen, aber eine schlechte Erfolgsprognose“, mahnte mich ein erfahrener Touristikmanager.
Die fünfzigjährigen Kunden von 1990 sind jetzt siebzig. Manche von ihnen wollen oder können sich die „Strapazen“ aktiven Kulturreisens nicht mehr antun. Und die nächsten Generationen sind in einer Wohlstandsgesellschaft aufgewachsen, sind eher Konsum und „Wellness“ auf Reisen gewöhnt als aktives Kulturerleben. Viele können sich exotisches Erleben nur noch auf Fernreisen vorstellen. Zudem ist mit der Euphorie der Wende auch die große Neugier auf die Nachbarn im Osten verschwunden. Besonders nach dem Eintritt in die EU haben die Länder für den Westen ihre Besonderheit und Fremdheit verloren. Ganz zu Unrecht! Die dramatische Geschichte und die skurrilen Geschichten des Ostens sind noch viel zu wenig aufgedeckt. Und die Reisegebiete im Osten werden noch lange Überraschungen bereit halten, die viel lebensnäher und lebendiger sind als die künstlichen Erlebniswelten der durchgestylten Touristikangebote im Westen. 
Es bleibt spannend zwischen Moldau und Masuren, zwischen Ostsee und Beskiden. Selbst schon bei den direkten Nachbarn im Böhmerwald. Kann in Krumau nochmals einheimisches Leben in die Stadt zurückkehren? Was wird die vietnamesische Abiturienten-Elite in ihrer Heimatstadt Vyssi Brod bewirken? Wird sie es vielleicht schaffen, dass das Kloster sich sozial öffnet? ... Wir haben nicht nur viel von Geschichte und Kultur zu erzählen bei unseren Reisen. Wir sind selbst gespannt auf neue Erlebnisse und Entwicklungen.

Auch wenn es möglicherweise schwieriger wird, anspruchsvolle Kulturinteressenten für die östlichen Nachbarländer zu finden. Es gibt sie noch. Und wir zählen auf Sie!

Mittellange Fassung

 

 

 

1989 - meine Vorgeschichte

 

 

 

GrenzenLos

 

 

 

 

 

Die üblichen Busreisen nach Prag

 

 

 

 

Erste Erfahrungen

 

 

Schnaps statt Unterschrift

 

 

Projektaufbau beim Evangelischen Bildunsgwerk Regensburg

 

Am Anfang nur 4 Reisen:
Radeln und Wandern

 

 

 

 

 

 

 

Begeisterte Presse

 

 

 

 

 

 

Literaturreisen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Preise und Auszeichnungen

 

 

 

 

 

 

 

 

Reisekonzept

 

 

 

 

 

 

 

Was hat sich verändert

 

 

 

 

Wachsender Komfort

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hartes Pflaster für Kulturreisen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alter und neuer Geist in Böhmen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Begegnung trotz Politik

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vielsagende (Neu)Bauten –
Gedächtnis in der Landschaft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwischen Rückzug und Offenheit

 

 

 

 

 

 

Man muss hinwandern!

 

 

 

 

 

 

Faszination Osten

20 Jahre Begegnung mit Böhmen

20 Jahre „Begegnung mit Böhmen“
(ausführlich, mit einer privaten Vorgeschichte)

Wann wird ein Unternehmen oder Projekt geboren? Mit dem ersten selbst gemachten Produkt? Und gezeugt mit der ersten Idee dazu? Ein exaktes Geburtsdatum weiß im Nachhinein selten jemand zu nennen.
Wie wars bei mir? Ich hole weit aus.
Nach meinem Abi 1975 am RSG in Cham (am Ende die wunderbare Hoch-Zeit der progressiven Kollegstufeneinführung unter Direktor Pilz und mit Lehrern wie „Hupferl“ Gerhard Schmidt) ging ich zum Studium nach Regensburg. Für mich als „Lamerer“ war dort schon die große Welt. Mathe studierte ich, weil ich das gut konnte. Und dazu als 2. Fach fürs Lehramt Katholische Theologie, weil fromm erzogen und außerdem konnte es fürs Jenseits nicht schaden. Ratzinger hatte damals noch den Dogmatik-Lehrstuhl in Regensburg.
Ich studierte sehr gerne und sehr lang. Der BaföG-Unterstützung und einem gutem Verdienst bei Nachtjobs für den Quelle-Katalog sei dank. Mitte der 80er Jahre erlebte ich das Jammern meiner Studienkollegen über die Disziplinierungsmethoden in der Referendariatszeit. Das wollte ich mir nicht antun nach so viel freiem Leben.

Dazu die Erfahrungen mit den Oberen der Katholischen Kirche im Umfeld der WAA in Wackersdorf. Der Studentenpfarrer (und spätere Generalvikar), eigentlich „einer von uns“, musste uns in der Hochschulgemeinde Sitzungen zur Vorbereitung der Marterl-Gottesdienste an der WAA verbieten. Vorher schon mussten wir auf Befehl des Bischofs Hans Küng wieder ausladen (und hatten dann nach privater Einladung das ganze Audimax voll). Wer die Missio zum Religionslehrer wollte, hätte beim Bischöflichen Ordinariat  unterschreiben müssen, dass er genau diese Kirche liebt. Ich musste es zum Glück nicht tun.
Denn es kam ein positiver Grund, mit dem ich den vorgezeichneten Lehramtsweg verlassen konnte. 1986 bekam ich trotz einer laufenden Anklage gegen mich wegen „Widerstands“ (bei der Räumungsaktion des Hüttendorfes in Wackersdorf) bei Prof. Norbert Brox eine Assistentenstelle im Fachbereich Theologie und durfte bei den Philosophen in Religionswissenschaft zu einem „Dritte-Welt“-Thema promovieren: „Kultur – Kolonialismus – Kreative Verweigerung“. Für meine antikolonialistische Kulturtheorie konnte ich endlich alles nachlesen, was ich schon immer mal begreifen wollte: von Marx bis Habermas, von Geertz bis Parin.
Freilich, die viele Theorie an der Uni, die sich oft um sich selbst drehte, war auf Dauer dann doch nichts für mich (und umgekehrt). Mir ging die Praxis ab und das Erleben.
Das Tourismus-Thema kam aus der Praxis. Nachdem mich 1980 ein Freund nach Südostasien mitgenommen hatte, war ich jedes 2. Jahr für mehrere Monate in Ländern der sog. Dritten Welt. Und da bekam ich anschaulich mit, was Touristen (zuvorderst Rucksacktouristen wie ich) in der „Dritten Welt“ kaputt machten und machen.

Bei einem Seminar des Studienkreises für Tourismus entdeckte ich, dass ein wichtiges Bildungsfrage in Deutschland wenig besetzt ist: Wie qualifiziert man Touristen für fremde Kulturen? Die Deutschen haben in so vielen Ländern ein negatives Image auch wegen des Verhaltens als Touristen, da wäre es doch von Interesse, wenn es diesbezüglich Fortbildungsmöglichkeiten gäbe? Ich machte mir Hoffnung auf Fördermittel und bekam Gelegenheit, meine Idee von Länderseminaren für Reisende beim Entwicklungshilfeministerium (korrekter genannt: „Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“) vorzustellen. Ein Ministerialdirigent mit dem schönen Namen „Ferrari“ teilte mir aber mit, dass man die Massen der Touristen doch besser mit „Verhaltensmerkblättern“ auf Flughäfen erreichen könnte.
Also steckte ich – engagiert und naiv – all mein eigenes (eigentlich für eine Fernreise zusammengespartes) Geld in eine Werbe- und Versandaktion. 4000 Reisebüros bot ich 8 Wochenendseminare zu verschiedenen Ländern der „Dritten Welt“ an. Touristen sollten dort mit Einheimischen zusammentreffen und so über Land und Leute und über angemessenes Verhalten lernen. Ganze drei Reisebüros waren interessiert, diese Angebote an Kunden weiterzugeben.

Das Glück liegt oft vor der Haustüre. Dieter Weber vom Evangelischen Bildungswerk Regensburg (EBW) bekam meine Ideen von „Dritte-Welt“-Arbeit mit. Es war die gute Zeit der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) und wir dachten, das Projekt wäre es wert, dafür erstmals eine ökumenische ABM-Stelle der kirchlichen Bildungswerke zu schaffen. Nachdem dies dem katholischen Generalvikar zu kompliziert erschien, schuf das EBW alleine die Stelle für den katholischen Theologen. (Später, als Unternehmer, konnte ich immerhin die erhaltene Unterstützung an das Bildungswerk zurückzahlen.)
Am 19. Dezember 1989 sollte ich also meine Projektideen beim EBW vorstellen. Kurz vorher gab es den bekannten Glücksfall der Geschichte. Und beinahe hätte ich meine Zukunft verschlafen. Gerade noch rechtzeitig in der Nacht zum 19. Dezember fiel mir ein, ich könnte noch ein Zusatzprojekt einbeziehen, nämlich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, der ja abzusehen war, sanfte Reisen in die Tschechoslowakei zu organisieren. Der Vorstand des Bildungswerkes war natürlich genau von dieser Idee am meisten begeistert. Damals in der Nacht war also das leider nur in Ansätzen ekstatische Zeugungsdatum von „Begegnung mit Böhmen“.

Die Grenze ging auf. Vaclav Havel sorgte dafür, dass binnen weniger Wochen alle technischen Anlagen des Eisernen Vorhangs niedergerissen wurden und so die Öffnung der Grenzen unumkehrbar wurde. Direkt vor unserer Haustüre, in Radfahr-Entfernung, öffnete sich eine Landschaft, die zuvor (sicher nicht nur für mich) weiter entfernt war, als Peru, Kenia oder Indonesien.
Die Grenze ging über den Osser, keine zwei Kilometer vor meinem Geburtshaus. Die Schmugglergeschichten meines Vaters, die von der ehemals reichen böhmischen Seite erzählten und dass dort die Natur viel wilder, das Bier viel besser und die Wirtshausstimmung viel ausgelassener war, fielen mir wieder ein. Der Eiserne Vorhang und mein Fernweh nach exotischen Ländern hatten die Geschichten der Kindheit gänzlich in den Hintergrund gedrängt.

Februar 1990 zur Probe mal wieder eine Tagesfahrt nach Prag. Aber bei diesen Fahrten hatte sich nichts geändert. Wir wurden – wie immer – vom Wenzelsplatz zum Hradschin geschleust, danach Einkaufsbummel, auf der Rückfahrt in Pilsen Auffüllen der Plastiktüten mit Bier und Sekt, das Schönste war der Blick aus dem Busfenster in den Böhmerwald.
Gegen diesen vom damaligen Devisengefälle geprägten Tages- und Einkaufstourismus (vom Prostitutionstourismus ganz zu schweigen) war es leicht, ein anderes Reisen zu propagieren. Und es war natürlich höchst notwendig. Rätselhaft war nur, dass es von Anfang an kaum Konkurrenz gab. Wir blieben (bis heute) weitgehend der einzige Reiseveranstalter in Deutschland, der aktive oder kulturnahe Begegnungsreisen in das Nachbarland Tschechien anbot und anbietet.
Im Sommer 1990 die erste Radtour „hinüber“. Meine Frau und ich wollten der Moldau entlang nach Budweis radeln. Am ersten Abend in Volary gab es nur im scheußlichen Hotel am Hauptplatz ein Zimmer. Um Mitternacht weckten uns drei sächsisch-deutsch-tümelnde Besoffene, die zwei junge Tschechinnen belästigten. Wir mussten Polizisten rufen, die aber dann nur kleinlaut versuchten, den neuen „Wir-haben-West-Marks“-Protz zum Heimgehen zu überreden.

Es wurde trotzdem eine wunderschöne Radtour. Mit der herrlichen Landschaft im Böhmerwald hatten wir halbwegs gerechnet, aber nicht mit der großartigen Kultur, die sich – das ist mir heut noch ein Rätsel –  für fast alle von uns im Westen im tiefsten Dornröschenschlaf befand. In Krumau blieben wir natürlich hängen. Wir schoben unsere Räder durch die Gassen und durch das Schloss und bekamen in dieser skurrilen Mischung aus mittelalterlicher und sozialistischer Welt vor lauter Überraschungen den Mund kaum mehr zu. Es war noch eine fast touristenfreie Stadt, nichts war renoviert. Unten in der Breiten Gasse machten die Roma mitten auf der Straße und in den mittelalterlichen Hinterhöfen Feuer. Hinter den gotischen Torbögen gab es Lebensmittel-Läden und noch keine Souvenir- und Glas-Geschäfte. Am Moldauufer verkaufte ein kleiner Kiosk Bier und „ersoffene Würste“, in den paar verrauchten Kneipen saßen nur Männer. Ein Zimmer bekamen wir nur außerhalb, in einem Funktionärshotel.
Nach dieser Radtour wusste ich, ich will die Geschichte und Kultur der Nachbarn möglichst schnell nachlernen und über das Bildungswerk vermitteln. Und ich wusste, ich will hier, im Böhmerwald und Südböhmen, meine ersten Rad- und Wanderreisen organisieren. Wobei ich zuerst noch den Führerschein machen musste. Mein Vorhaben, ohne Auto durchs Leben zu kommen, konnte ich als Reiseveranstalter in spe nicht mehr durchhalten. Es war nicht das letzte naiv-moralische Prinzip, das ich zugunsten des Projekts aufgeben musste.

Dank der Hilfe von Katharina Eisch bekam ich Kontakte zu deutsch sprechenden Böhmerwäldlern. Und diese waren schuld, dass Böhmen (und nicht „die Dritte Welt“) endgültig meine Berufung und mein Beruf wurde.
Der erste Kontakt war Jiři Franc in Klatovy. Seine Gelassenheit und sein riesiges Wissen waren (und sind mir bis heute) große Hilfe und Beruhigung. Damals war das auch bitter nötig. Vom Schoß der theoretischen Arbeiten in einer heimeligen Universität kommend sollte ich plötzlich in einer fremdsprachigen Region ohne jegliche touristische Infrastruktur (jedenfalls nach westlichen Maßstäben)  Reisen anbieten, die es in der Weise dort noch nie gab. Das war Pionier-Arbeit pur.

Los ging es mit der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten. Es gab Betriebsferienheime, die aber meist ohne Besitzer und Ansprechpartner waren und graue Funktionärshotels. Ich versuchte ganz naiv, Privatzimmer zu finden, schrieb ca. 20 Böhmerwaldgemeinden an und bekam auch einige Antworten. In Volary z.B. bekam ich die Adressen von 5 Familien, die meist das Zimmer ihrer Kinder zur Verfügung stellen konnten. Ich hatte mir von Jiři tschechischsprachige Verträge vorbereiten lassen, damit wir vom 8.-10.9. ein Zimmer reserviert bekommen, aber die Vermieter wussten nicht recht, was so ein Papier soll. Ich musste zur Vertragsbesiegelung für jedes der 5 Zimmer einen Becherovka oder Zwetschgenschnaps trinken. Im Nachbardorf Lenora hatte ich dann nachmittags einen Termin bei der Gemeinde. Dazwischen bei der Säumerbrücke lag der Zeltplatz. Ich wollte nur kurz mein Zelt aufstellen und etwas meinen Rausch ausschlafen und verschlief den Termin. Abends bekam ich dann mit, dass Bürgermeister und einige Gemeinderäte auf den Radler aus Regensburg gewartet hätten. Eine Gemeinderätin schickte mich, nicht zu Unrecht erbost, zu ihrem Bruder: Egon Urmann.
Und der erklärte mir dann in seiner Küche den Böhmerwald. Mir gingen die Augen über bei so viel Wissen, so viel Lebenserfahrung, so viel Geschichtserleben. (In den böhmischen Reiselesebüchern des Lichtungsverlags werden Teile davon deutlich, genauer noch in „Do bin i dahoam“, seiner „Biografie“ im Ohetaler Verlag.)
Seit 20 Jahren hat Egon inzwischen schon hunderten kleinen Gruppen seinen Böhmerwald nahegebracht, ob beim Goldwaschen an der Grasigen Moldau oder am Friedhof in Böhmisch Röhren oder beim urig-humorigen Wirtshaus „Zum Deutschen“ in Guthausen. Mit den Wanderern, den Radlern, den Kanuten, den Eltern und Kindern, den Langläufern, den Literatur-, den Kunst- und den Musikreisenden – mit allen waren wir bei ihm und auch beim 100. Gespräch erzählte er noch authentisch und rang angespannt um die richtigen Worte, die der Geschichte und den Opfern gerecht werden sollen. Fast so, wie beim ersten Mal.

So großartig die Hilfe der ersten tschechischen Freunde war, die touristische Infrastruktur im Böhmerwald blieb lange äußerst schwierig. Es waren echte Abenteuerreisen. Und zum Glück waren in den Anfangsjahren alle, die mit uns in den Osten fuhren, auf Abenteuer eingestellt. Ich erinnere mich z.B. an vier höhere Beamte, die mit mir bei Frau Vesely in dem wohl schönsten Tirolerhaus in Wallern (das inzwischen leider abgebrannt ist) übernachteten: in einem 5-Bettzimmer, das „Heisl“ draußen im Garten. Aber ich muss mich leider auch an die ständigen Stress-Situationen erinnern, wenn wir in einer Kneipe oder einem Biergarten mehrere Stühle für ein Gruppengespräch zusammenstellen wollten und meist nicht durften. Oder noch schlimmer an die überbuchten Pensionen trotz der schriftlichen Verträge. Mehrmals kam es vor, dass wir müde Radreisende auf mehrere andere Häuser verteilen mussten. Einmal fanden wir für die letzten erst um Mitternacht noch ein Zimmer, 20 km vom gebuchten Hotel entfernt.
Das Problem war (und ist es teils bis heute): Niemand war zuständig. Es gab kein Fremdenverkehrsamt, das man informieren und um Hilfe bitten konnte. Und die Touristikzentrale in Prag war natürlich unerreichbar weit weg. Vor Ort war alles privat organisiert oder eben auch nicht organisiert. (So lernte ich die Vorteile unserer regionalen Tourismusstruktur und den Service und das Verständnis von Familienbetrieben in Bayern schätzen.) In den Anfangsjahren nannten wir unser Projekt und unsere Reisen „Böhmische Dörfer“, was auch ehrlich dem Reisen ins Ungewisse und in unbekannte Regionen Rechnung trug.
Mit dem Verein „Nationalparkregion Donau-Moldau“ als Träger konnten wir nochmals 2 Jahre die Reisen durch ABM-Mittel unterstützt anbieten. Und auch danach noch brauchte der Aufbau der Reisen finanzielle Unterstützung durch Arbeitslosengeld, VHS-Kurse und Schreiben des Radreiseführers „Böhmerwald und Moldautal“. Freilich war das alles kaum mehr zu schaffen. Reiseorganisation, Reiseleitung und Zusatzverdienste. Ich musste zumindest die meisten Reiseleitungen abgeben.

Bis 1995 hielt ich das Prinzip aus alter pseudomarxistischer Denke durch, dass der das Geld für ein Produkt erhalten sollte, der es zur Hauptsache herstellt oder den nächsten Bezug dazu hat. Bei Reisen ist das der Reiseleiter. Aber angesichts des beschriebenen Arbeitsdrucks und wegen der Nachfrage nach mehr Reisen konnte ich zu meinem Leid (und vielleicht zum späteren Glück) nicht mehr alle Reisen selbst begleiten. Ich suchte und fand mit Jaroslav Neužil aus Prachatice einen Partner, der nicht nur Böhmens Landschaften perfekt kannte, sondern auch die nachgefragten Reisearten Kanu und Skilanglauf. Und der mit seinen Töchtern und Freunden weitere engagierte und wunderbare Helfer mit besten Deutschkenntnissen einbeziehen konnte. Sie begleiteten bald die Großzahl unserer Reisen, ich war nur noch zur Einführung dabei. So konnte ich langsam ein eigenes Büro als Reiseveranstalter aufbauen, mich mehr um Pressearbeit und andere Werbemöglichkeiten kümmern, z.B. mit Diavorträgen zu Böhmen auf Reisen gehen. 1997 meldete ich dann das Reiseunternehmen „Begegnung mit Böhmen“ beim Gewerbeamt an.
Es war inzwischen fast sicher, dass die Reisen einen Gewinn bringen könnten, der einem Durchschnittseinkommen nahekommt. Zu der Zeit hatten wir nämlich schon eine große Zahl treuer Stammkunden über Regensburg und die Oberpfalz hinaus. Aus der Nahregion waren nur noch ca. 20 %. Diavorträge, Presseberichte und vor allem Mundwerbung hatten uns bundesweit bekannt gemacht.

1991 waren es 4 Reisetermine, 1997 immerhin schon 40. Insbesondere die Radreisen an der Moldau wurden zunächst immer beliebter. (Es ist heute fast unvorstellbar: Bis 1994 hatten wir außer unseren eigenen Mitreisenden keinen einzigen Radfahrtouristen im Böhmerwald gesehen, weder deutsche noch tschechische.) Zum Radeln und Wandern kamen Kanu, Eltern Kind-Reisen (unsere Tochter, geboren 1992, wurde häufigste „Kundin“) und vor allem Skilanglauf.
Bei letzterem hatten wir gleich am Anfang, bei unserer 2. Reise Februar 1995, den perfekten Glücksfall: Eine Redakteurin der Zeitschrift Brigitte fuhr mit. Trotz der einfachsten Bedingungen (Mehrbettzimmer, Etagendusche, 2 Tage eingeschneit) erschien im November 1995 ein 6-seitiger begeisterter Bericht: „Von Dorf zu Dorf durch die verschneite Landschaft“. Zum Glück waren wir vorbereitet und hatten für den nächsten Winter gleich 9 Langlaufwochen ausgeschrieben. Alle waren ausgebucht: 70% Frauen, 15% Freunde und Ehemänner und 15% Männer, die gestehen mussten, dass sie beim Zahnarzt die Brigitte gelesen haben.
Auch in den Nachbarpensionen bekamen wir mit, dass viele deutsche Langläuferinnen individuell in den Böhmerwald fuhren. Frau wollte mal statt Skandinavien den Böhmerwald ausprobieren und die meisten blieben dort auch hängen. „Ein Kanada vor der Haustüre“ stand in einem späteren Artikel. Bis heute sind unsere Langlauftouren mit am besten gebucht, von Anfängern bis zu routinierten Tourengehern.

Es begann die Zeit, in der jedes Jahr bei 5 bis 10 Reiseterminen Journalisten mitreisten. Von der MZ bis zum Hamburger Abendblatt, von der FAZ bis zur „ZEIT“, überall hatten wir sehr gute, oft richtig begeisterte Artikel. Und einige Journalisten wurden sogar zu privaten Stammkunden. Einer auf ganz besondere Art. Das kam so:
Auf meinen Rad- und Wanderreisen hatte ich entdeckt, dass Geschichte, Natur und Kultur sich an vielen Stellen am schönsten und einfachsten mit einer passenden Lesung vermitteln lassen. Wer könnte die Natur besser beschreiben als Adalbert Stifter, wer die Alltagsgeschichten, das Leben der Freibauern und ihrer Knechte und Mägde besser als Karel Klostermann. Dazu gab es wunderbare Böhmerwald-Texte z.B. von Karel Čapek oder Johannes Urzidil, später von Josef Holub ... Die Reisenden waren höchst angetan. Literatur gab (gibt) der Landschaft und den Orten eine neue Dimension (was übrigens auch umgekehrt gilt). Ein echter Mehrwert fürs Reisen (und umgekehrt fürs Lesen).


So machte ich 1997 einen ersten Versuch einer expliziten Literaturwanderung durch den Böhmerwald. Auch dazu meldete sich ein Journalist, der über Freunde davon erfuhr und für die FAZ berichten wollte. Es war Arthur Schnabl. Noch während der Reise entwickelten wir ein Konzept für künftige LiteraTour-Angebote in Böhmen.
Seitdem machten wir fast jedes Jahr eine neue, anstrengend-schöne Erkundungstour auf literarischen Spuren. „Zwischen Cafehaus und Kneipe“ (Prag), „In Wolken gehen“ (Riesengebirge), „Elegien in Böhmen“ (Bäderdreieck), „Im Schatten des Holunders“ (Mähren) ...  Im jeweils folgenden Jahr setzten wir dann die Erkundung in 2-3 Reisetermine um. Die dann oft schon vor der offiziellen Ausschreibung ausgebucht waren.

Nachdem wir in Böhmen und Mähren 7 Regionen literarisch erkundet hatten, wurde es dort doch zu eng. Wir wichen in vielfältige neue literarische Regionen aus, von Masuren bis zum slowenischen Karst, von der Oberpfalz bis zum Oderbruch. Und selbst begeistert von der Schönheit und dem Erfolg der neuen Art anspruchsvollen Kulturreisens fanden wir neue Themenbereiche, zunächst im Kompetenzbereich von Arthur Schnabl, der nicht nur Literaturvermittler, sondern auch Historiker und Architekturfotograf ist: „Jüdisches Prag“, „Prager Avantgarde“ ...
Die Sparte „Kulturreisen“ rückte ganz in den Vordergrund. Da gab es noch ein weites freies Feld, das noch dazu in der Öffentlichkeit große Beachtung fand. Oft ganzseitige Presseartikel wie „Stille Tage, schöne Zeilen“ (Rheinischer Merkur, 1999), „Erlesene Heiterkeit“ ( DIE ZEIT, 2002), „Zum Nachtisch gibt es Rilke“ (SZ, 2002) oder „Mährische Farbenlehre in Poesie und Wein“ (Sonntag Aktuell, 2005) rühmten unser neuartiges literarisches Reisekonzept. Sogar das Bayerische Fernsehen drehte mehrere Filme mit und über uns, u. a. in der Reihe „Wir in Bayern“ den sehr persönlichen Film „Lust auf Böhmen“. Dazu begann die schmeichelhafte Zeit der großen Preise. Zehn begehrte Auszeichnungen erhielten wir zwischen 1999 und 2005. Touristikzeitschriften wie GeoSaison (Goldene Palme 2001 und 2005) oder Sonntag aktuell (Touristikpreis 2004), der BUND, ökologisch orientierte Parteien beiderseits der Grenze und Vereine der deutsch-tschechischen Freundschaft würdigten und empfahlen unsere natur- und kulturnahen Begegnungen.
Immer noch zehren wir von diesem Auszeichnungsboom, auch wenn der – genauso wie die Presseberichterstattung – 2006 fast abrupt abbrach. (Nur 2009 durften wir uns nochmals über eine Auszeichnung freuen: „Brückenbauer“ vom Centrum Bavaria Bohemia.) Die Ursachen können wir nur vermuten: Die östlichen Nachbarländer waren in der EU angekommen und kein großes Thema mehr. Und auch das Konzept der landesnahen Reisen in kleinen Gruppen war nichts Ungewöhnliches mehr. Viele kleine Reiseveranstalter versuchten sich inzwischen mit ähnlichen Konzepten, darunter auch drei reine Literaturreise-Veranstalter.

Es ist klar, dass es mir angesichts der vielen Würdigungen und der entsprechend großen Nachfrage-Erfolge leicht fiel, fast zu leicht, die Kultursparte auszubauen. Auf Erkundungsreisen und vermittelt durch Freunde lernte ich wie von selbst viele Kulturmenschen kennen, deren authentische Vermittlungskompetenz mich faszinierte und die ich am liebsten sofort als Reiseleiter gewinnen wollte. Oft waren sie spezialisiert auf besondere Kulturthemen, z.B. Klöster (Dr. Gerd Burger, Lichtungs-bekannt, begnadeter Moderator und zweifelnder Fan klerikaler Kultur), Architektur- und Kunstgeschichte (Dr. Juraj Zary, nach der Wende Direktor des Nationalmuseums in Bratislava, jetzt aber viel lieber Gastprofessor für Kunstgeschichte mit Zeit für Kulturentdeckungen und humorvolle Reisen), Musik ... Wir suchten mit den neuen Reiseleitern eine Verbindung ihrer speziellen Themen mit Alltagskultur und Alltagsbegegnungen des Reisegebietes. Manchmal waren es sogar kulturbegeisterte Stammkunden, die ihre Reiseideen zu ihren Lieblingsregionen im Osten einbrachten und dann mit Hilfe von Freunden vor Ort auch umsetzten.
Keine der Reisen entstand nach der üblichen Frage: „Was geht am Reisemarkt?“ Die Frage war einfacher: was können die guten Reiseleiter am besten vermitteln, was möchten sie am liebsten vermitteln. Denn die Freude an der Region und am Thema ist – Kompetenz vorausgesetzt – das wichtigste bei der Kulturvermittlung auf Reisen. So erkundete ich mit den jeweiligen Begleitern langsam aber stetig jedes Jahr 2 bis 3 weitere Kulturregionen. Teils in deren Heimatregionen, teils auch in abseitigen Gebieten und mit abseitigen Themen, vom Jüdischen Polen bis zu den Rhodopen, von Niederschlesien bis zur Lemken-Region nahe der Waldkarpaten, von Eugen Oker bis Bohumil Hrabal. Zuletzt war es Mecklenburg und die Datscha Hrabals, für zwei neue Reisen 2011.
Trotz des großen Erfolges dieses Reisekonzeptes und der wunderbaren Arbeit des Reiseerkundens, es war nicht alles Gold. Um 2004 gab es über 100 Reisetermine pro Jahr, im Schnitt waren jede Woche 2 Reisegruppen unterwegs, im August und Oktober waren es oft 5 Gruppen, die ihr Vorbereitungsmaterial brauchten und deren individuelle Fragen zu klären waren. Das Ein-Mann-Büro mit Halbtagssekretärin war da zeitweise überfordert. Zumal ich auch noch den Anspruch hatte, die gesamte Werbung einschließlich dem Reisekatalog selbst zu gestalten und auch die Internetseite (die schon seit 1999 als zusätzliche papierfreie Werbemöglichkeit, besser gesagt: Werbenotwendigkeit dazukam) weitgehend selbst zu pflegen.

Zudem wuchs in diesen Wachstumsjahren auch der Ärger mit bürokratischen Seltsamkeiten, die kundenfreundlichen Service verhindern wollten, der nicht ins marktwirtschaftliche Bereicherungskonzept passte. Ich musste lernen, dass Kundenfreundlichkeit und Kundenvertrauen im Marktwettbewerb  selten gerne gesehen sind. Zwei Beispiele:
-  Da wir den Bahnfahrern den bequemsten Empfang bereiten, reisen 80 % unserer Kunden mit dem Zug an, oft auch mit dem Nachtzug. Das ist selten in der Reisebranche und man könnte meinen, dass die Deutsche Bahn uns als guten Partner schätzt. Aber weit gefehlt! Unsere Kunden, die mit dem vororganisierten Gruppenticket im Nachtzug z.B. von Berlin nach Danzig fahren wollten, zahlten für ihr Individualticket nach Berlin ein Vielfaches von dem, was die Rail&Fly-Tickets  der Kunden kosteten, die lieber den Flieger nahmen. Und selbst die Mitgliedschaft beim Ökoverband der Reiseanbieter, beim „Forum Anders Reisen“ half nichts. Auch der handelte die Billigtickets nur für die Flugkunden aus.
Die DB hätte uns dafür gerne eine Provision angeboten, wenn wir Kunden gleich mit der Reise teure Reiseveranstaltertickets verkauft und ihnen damit die oft viel günstigeren Spartickets ins europäische Ausland vorenthalten hätten.
-  Mitte der 90er wurde das Gesetz zur Insolvenzsicherung von Reisevorauszahlungen „erfunden“, als Reisekunden in den USA hängen blieben, weil der Veranstalter den Rückflug nicht mehr bezahlen konnte. Seitdem müssen Reiseunternehmen für jeden Kunden einen Sicherungsschein kaufen, egal, ob man ihm eine Flugreise nach Neuseeland anbietet oder eine Wanderung in die Umgebung seines Heimatortes. Mit Hilfe der damaligen Grünen-Abgeordneten und Vorsitzenden des Tourismusausschusses Halo Saibold versuchte ich zu erreichen, dass die Verkäufer der Sicherungsscheine zwischen Nah- und Fernreisen unterscheiden müssen. Vergeblich. Da ich nicht mittragen wollte, dass die Nahreisenden indirekt die Absicherung der Fernreisen subventionieren sollten, wurde ich zum (in Deutschland vermutlich einzigen) Veranstalter, der den Preis erst nach der Reise verlangt. Ich hoffte und vermutete, dass dies bei unserem Kundenkreis kein Problem sein würde und behielt absolut recht. Der böse Hammer kam aber von ganz anderer Seite: eine Reihe von teuren Abmahnungen durch sog. Wettbewerbshüter, weil wir uns mit der kundenfreundlichen Zahlungsmöglichkeit einen Wettbewerbsvorteil erschwindeln würden. Weder Justiz- noch Wirtschaftsministerium wollten gegen solche Faktenverdrehung helfen. Erst nach nervenaufreibenden Streitigkeiten wurden wir davon frei gesprochen, eine Versicherung für Vorauszahlungen, die gar nicht gemacht werden, abschließen zu müssen.

Die guten Jahre des Wachstums und der Vielfalt der Kulturreisen hatten nicht nur naives Vertrauen auf einen gerechten „Markt“ zerstört. Das Wachstum hatte auch für mich persönlich etwas Schizophrenes. Das Talent, das man mir ‚vorwirft’, nämlich „Kulturvermittlungskünstler“ nicht nur überall gleich zu erkennen, sondern sie auch fasziniert zu umarmen und (als Reiseleiter oder Referenten) zu vereinnahmen, richtete sich gegen mich selbst. Dass ich die neuen Reiseleiter zu ihren spannenden Reisethemen in faszinierenden Regionen überreden konnte, bedeutete für mich, dass mir fast nur noch Verwaltungsarbeit blieb. Warum machte ich das? Dafür hatte ich „Begegnung mit Böhmen“ nicht gegründet.
Es musste sich etwas ändern. Ich schaffte es, die Reiseorganistaion vor Ort immer mehr den Reiseleitern selbst zu übergeben und teils sogar die Verwaltung einiger Rad- und Wanderreisen ganz an meine tschechischen Partner abzugeben. Jiři Franc und Dalibor Hirič machten sich mit Ahoj-Tours selbständig, „Begegnung mit Böhmen“ war nur noch ihr Vermittler. Langsam gelang eine Reduzierung in Richtung Überschaubarkeit: ca. 20 Reisearten mit ca. 50 Terminen. So kann ich auch seit ein paar Jahren wieder selbst Reisen begleiten, knapp 10 Wochen im Jahr. Natürlich in meiner Lieblings- und Kompetenz-Region Böhmerwald, kulturnahe Rad-, Skilanglauf- und Eltern-Kind-Reisen. Dass Tochter Paula inzwischen vom teilnehmenden Kind zur Kinderbetreuerin aufgestiegen ist, zeigt mir persönlich am anschaulichsten, dass das Unternehmen erwachsen und der Gründer alt geworden ist.

Was hat sich verändert in den 20 Jahren? Bei den Reiseangeboten, bei der Nachfrage und vor allem im Reiseland?
Wenn ich an die ersten Reisen denke, an die 5-Bettzimmer in alten Bauernhäusern, ist mir, als hätte sich alles radikal geändert. Inzwischen gibt es längst die damals so ersehnten Familienpensionen und Privatvermieter, sodass die Gruppen fast immer in einem Haus bleiben können. Bei manchen waren wir die ersten Gäste, für einige vielleicht sogar eine wichtige Starthilfe.
Heute bräuchte es solche Starthilfe aus dem Westen kaum mehr. Tschechien hat wirtschaftlich groß aufgeholt, das riesige Devisengefälle ist fast aufgehoben. Im Radio war kürzlich ein Bericht, dass die meisten Pensionen in Bayerisch Eisenstein tschechische Besitzer haben und dass die Häuser auf bayerischer Seite preisgünstiger sind als auf tschechischer.

Natürlich gab es auch bei der Nachfrage Veränderungen. Unsere Gäste (deren Durchschnittsalter in den 20 Jahren halb mitgewachsen ist, um ca. 10 Jahre) wünschen mehr Komfort, insbesondere Du/WC am Zimmer, buchen inzwischen meist Einzelzimmer und freuen sich z.B. über den abschließbaren Fahrradkeller oder über die Sauna im Winter. Den großen Wellness-Luxus erwartet aber weiterhin niemand, der das Reiseprogramm liest. Vielmehr wird durch die Ausschreibung sehr deutlich, dass wir vom Kunden Interesse und Sympathie für die Reiseregion voraussetzen. Und dies prägt – von Anfang bis heute –  die Harmonie der Gruppen, wie fast jedes Feedback von Neukunden angenehm überrascht rückmeldet.
Der zunehmende Komfort hat manchmal skurrile Folgen. Als bei Zimmerqualität, Sauberkeit und Service der gute Standard erreicht war, sahen manche Kunden Mängel, die es zuvor gar nicht geben konnte. Ob dies ein zu harter Schreibtischstuhl ist oder der fehlende Balkon, den die Nachbarn hatten. Freude am Abenteuer des Nicht-Komforts haben zumeist nur noch wenige ganz alte Stammkunden oder ein paar ganz junge Gäste. Heute müssen die Abenteuer kalkulierbarer sein, der Reiseleiter sollte sie möglichst angenehm vermitteln.   

Dennoch ist es vor allem ein Glück, dass touristische Infrastruktur und Service sich in Böhmen langsam einem sog. Weststandard angepasst haben. Überbuchungen gab es seit 12 Jahren nicht mehr. Bei höflicher Anfrage darf man inzwischen fast in allen Biergärten Tische zusammenstellen.

Andererseits passierte es uns noch vor kurzem, dass wir trotz Vorankündigung den einzig möglichen Gruppenraum einer Pension für eine Gesprächsrunde mit unserem Referenten nicht nutzen durften, weil Bekannte der Wirtsfamilie in dem Raum ihre Telenovela schauen wollten. Gerade in Westböhmen hält sich teilweise noch eine Skepsis gegenüber den möglicherweise arrogant wirkenden Ansprüchen von Westtouristen. Je weiter wir dann wieder nach Osten kamen in Richtung katholisches Mähren, desto eher fanden wir Verständnis gegenüber solchen extravaganten Kulturreise-Bedürfnissen.
Dafür hatten wir außerhalb Böhmens meist mehrere Veranstalterkollegen. Nur in Böhmen gab es keine Konkurrenz. Einerseits hatten wir offenbar frühzeitig die Nische aktiven und kulturnahen Reisens dort positiv besetzt, andererseits scheuten die Veranstalter ohnehin das (außerhalb Prags) oft harte böhmische Pflaster mit dem – nach Westkriterien– unbequemen, manchmal sogar ruppigen Stil der Zusammenarbeit. Teile dieses Pflasters sind bis heute hart geblieben.
Überhaupt sind die Erfahrungen mit dem Wandel in Böhmen nach der Wende äußerst vielschichtig. Von unseren Erfahrungen als Touristiker habe ich ausführlich genug erzählt. Was generell den kulturellen Wandel vor Ort betrifft, da müsste ich Bücher schreiben. Ich muss und will mich hier mit dem Rückblick auf den Böhmerwald beschränken (und meine lieben Mitarbeiter aus den entfernteren Regionen um Verzeihung bitten). Denn selbst vom Böhmerwald kann ich nur ein paar ausgewählte Streiflichter erwähnen:

Dass der alte „Geist von Krumau“ natürlich längst verschwunden ist (wie es mein Lamerer Freund Josef Berlinger schon 1993 mit Leichtigkeit prophezeien konnte), dass die Unesco-Stadt mit einer seltsamen Museumsvielfalt (vom Egon-Schiele-Zentrum bis zum Wachsfigurenkabinett) im Sommer halb japanisch ist, dass – um nur eines der vielen ironischen Bonmots von unserem Stadtbegleiter Ivan Slavík zu zitieren – keine der drei großen Pestepidemien die Altstadt so radikal entvölkert hat, wie der Tourismusboom nach 1991 ...
Dass die Kirche im ehemaligen Wallfahrtsort und späteren Militärzentrum Dobrá Voda / Gutwasser wieder einen wunderbaren Altar hat, von einer tschechischen Glaskünstlerin gemacht, dass aber der Friedhof dahinter seinen Erinnerungscharakter an das vertriebene Land weitgehend verloren hat, den er in seinen verwilderten Zeiten noch hatte, zusammen mit der Aufschrift „Volksschule“, die  an der gegenüberliegenden Militärgebäude-Ruine noch durchschimmerte, welche heute frisch verputzt, nichtssagend und verschlossen dasteht. Dass im benachbarten Städtchen Hartmanice die Synagoge renoviert wurde und eine (fast schon zu) perfekte Ausstellung mit eindrücklichen Hörbeispielen der jüdischen und deutschen Schicksale im Böhmerwald zwischen Einmarsch und Vertreibung beherbergt. Dass aber dieses Museum aus Deutschland kaum 10 % der Besucherzahl des Stifter-Geburtshauses in Horní Planá / Oberplan hat, das auch sehr gute Ausstellungen beherbergt und wohl eines von ganz wenigen staatlichen Museen in Mitteleuropa ist, das Gewinn macht.

Dass grenzübergreifende Zusammenarbeit zwar gerne mit politischen Reden und EU-geförderten Festlichkeiten zur Schau gestellt wurde und wird, aber dauerhaft meist nur dort klappt, wo aufgrund von Freundschaften Projekte durchgeführt werden. Im Ernstfall waren und sind die Landkreise und Gemeinden eher Konkurrenten als Partner. Daran änderte auch die „Euregio Bayerischer Wald, Böhmerwald, Unterer Inn“ wenig. Schon die Tatsache, dass selbst die Euregio auf den neuzeitlich aus touristischen Abgrenzungsgründen entstandenen Kunstbegriff „Bayerischer Wald“ nicht verzichten wollte, dass man sich nicht einfach „Euregio Böhmerwald“ nennen konnte, spricht Bände. Es wäre eine so leichte, in den Schoß gefallene Chance gewesen, den Böhmerwald wieder als ein grenzüberschreitendes Gebiet zu verstehen, welches er seit jeher war, der Wald („Woid“) eben, für die Römer „Hercynia silva“, für die Griechen „Gabreta hyle“ (keltisch „Geißenwald“). Zwar betont man auf allen Seiten gerne „das größte zusammenhängende Waldgebiet Europas“, aber eine Strategie, dieses Gebiet z. B. touristisch gemeinsam zu vertreten, gibt es nicht. Leider kann nicht einmal die große Chance eines grenzübergreifenden Nationalparks genützt werden, zu unterschiedlich waren und sind die ökologischen und pädagogischen Konzepte auf Seiten der bayerischen und der böhmischen Verwaltung.  

Nur einzelne Projekte klappten, viele davon zuvorderst, weil es bei Zusammenarbeit EU-Fördergelder gibt. Im höchstgelegenen Böhmerwalddorf Bučina / Buchwald oberhalb Finsterau, sicher das Dorf mit dem schönsten Ausblick, haben die beiden Nationalparks bald nach der Wende ein lehrreiches zweisprachiges Infozentrum zu Wald und Region platziert. Überhaupt hat dieses Dorf – nach dem Drama der Vertreibung und der endgültigen Schleifung der etwa 25 Häuser im Jahr 1956 – heute schon wieder eine vielsagende neue Baugeschichte: Die kleine Kapelle des Micheibauern wurde 1992 wieder geweiht, im Dorf unterhalb wurde der Friedhof und sogar ein Kriegerdenkmal saniert. Ein Bankerl mit Totenbrett, das ein Nachkomme zur Erinnerung an seinen Großvater aufgestellt hat, ohne bei der zuständigen Gemeinde in Kvilda anzufragen, musste aber wieder entfernt werden. Dann, erst vor ein paar Jahren, hat – dem Hörensagen nach ein hochgestellter Prager Politiker – die Ruine des ehemals schönsten und größten Hotels „Alpenblick“ renovieren lassen, architektonisch gar nicht schlecht, nach alten Plänen, aber wohl gegen die Nationalparkvorschrift um ein paar Meter zu hoch. Offensichtlich klappt Korruption in Tschechien doch nicht überall, jedenfalls steht es jetzt als mahnende, weithin sichtbare Neubauruine rum. (Stand Oktober 2010: Bei meiner letzten Wandertour sah ich, dass das Haus nun offenbar doch in Betrieb gegangen ist.)
Zwischen Neubauruine und Nationalpark-Infozentrum kann man seit 2009 einen Teil des ehemaligen Eisernern Vorhangs besichtigen, mit Stacheldraht, Elektrozaun, Panzersperren ... Man musste alles neu aufstellen, denn Winter 1990 hat man etwas übereifrig alle Grenzanlagen spurlos weggeschafft, an Museumszwecke wollte man damals nicht denken. Nun hat diese junge Grenzgeschichte endlich auch sein museales Zeugnis in der Landschaft bekommen.

In Vyšší Brod / Hohenfurth existieren immer noch die vietnamesischen Stände mit ihren tausenden Gartenzwergen, obwohl auch fast alle Läden und Cafes am Hauptplatz Vietnamesen gehören. In den aktuellen Abiturjahrgängen – sagte uns unser Musik-Reiseleiter „Jiři Franc 2“, der dort Stadtrat ist – sind meist Vietnamesen die besten Schüler. Das Kloster nebenan, das Jahrhunderte lang Macht- und Geist-Zentrum der Region war, ist wieder von Zisterzienser-Mönchen besiedelt. Aber das Volk außerhalb wird nur mit Eintrittsgeld zu musealen Führungen in die Kirche gelassen, nicht zu den täglichen Gebeten und Gottesdiensten. Ganz im Gegensatz zum ehemaligen Kloster in Kájov / Gojau (5 km von Krumau entfernt), wo 4 Münchner Ordensschwestern um die gotische Kirche wieder ein Gemeindezentrum aufbauen, Obdachlose aufnehmen, Kranke pflegen und Musikunterricht für Kinder anbieten.

Und, und, und ... Es gäbe dutzende weiterer Streiflichter zu erzählen. Man muss hinwandern oder hinradeln und den guten Erzählern begegnen, um auch ein wenig hinter die Kulissen schauen zu können. Vermutlich findet man bis heute kaum interessantere Reiseregionen als die Nachbarländer im Osten
Unsere Stammkunden werden das bestätigen. 3 waren schon mehr als 35 mal mit uns auf Reisen, über 50 mehr als zehnmal und über 300 mehr als fünfmal. Das ist der Stolz des Unternehmens und sein bestes Zeugnis, aber gleichzeitig ein strukturelles Manko. „70 % Stammkunden sind das beste Qualitätszeichen, aber eine schlechte Erfolgsprognose“, mahnte mich ein erfahrener Touristikmanager.

Die fünfzigjährigen Kunden von 1990 sind jetzt siebzig. Manche von ihnen wollen oder können sich die „Strapazen“ aktiven Kulturreisens nicht mehr antun. Und die nächsten Generationen sind in einer Wohlstandsgesellschaft aufgewachsen, sind eher Konsum und „Wellness“ auf Reisen gewöhnt als aktives Kulturerleben. Viele können sich exotisches Erleben nur noch auf Fernreisen vorstellen. Zudem ist mit der Euphorie der Wende auch die große Neugier auf die Nachbarn im Osten verschwunden. Besonders nach dem Eintritt in die EU haben die Länder für den Westen ihre Besonderheit und Fremdheit verloren. Ganz zu Unrecht! Die dramatische Geschichte und die skurrilen Geschichten des Ostens sind noch viel zu wenig aufgedeckt. Und die Reisegebiete im Osten werden noch lange Überraschungen bereit halten, die viel lebensnäher und lebendiger sind als die künstlichen Erlebniswelten der durchgestylten Touristikangebote im Westen.  
Es bleibt spannend zwischen Moldau und Masuren, zwischen Ostsee und Beskiden. Selbst schon bei den direkten Nachbarn im Böhmerwald. Kann in Krumau nochmals einheimisches Leben in die Stadt zurückkehren? Was wird die vietnamesische Abiturienten-Elite in ihrer Heimatstadt Vyšší Brod bewirken? Wird sie es vielleicht schaffen, dass das Kloster sich sozial öffnet? ... Wir haben nicht nur viel von Geschichte und Kultur zu erzählen bei unseren Reisen. Wir sind selbst gespannt auf neue Erlebnisse und Entwicklungen.
Auch wenn es möglicherweise schwieriger wird, anspruchsvolle Kulturinteressenten für die östlichen Nachbarländer zu finden. Es gibt sie noch. Und wir zählen auf Sie!

Langfassung

(ausführlich, mit einer privaten Vorgeschichte.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von Lam über Wackersdorf in die „Dritte Welt“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tourismusqualifikation – ein gescheitertes Projekt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Glück vor der Haustüre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Fall des Vorhangs

 

 

 

 

 

 

„Tschecheireisen“ – Konsumfahrten nach Prag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schlüsselerlebnis Krumau 1990

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Begegnung mit Böhmen – die ersten Glücksfälle

 

 

 

 

 

Schnaps statt Unterschrift

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erste Reiseabenteuer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vom Projekt zum Unternehmen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach Radeln und Wandern
auch Kanu, Eltern Kind und Skilanglauf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Begeisterte Presse

 

 

 

 

 

 

 

 

Vom Beginn der LiteraTouren

 

 

 

 

 

 

Begegnung mit Böhmen
wächst über sich selbst hinaus:
Slowakei, Polen, Slowenien ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neue Reiseleiter – neue Kulturthemen: Musik, Klöster ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bürokratische Bosheiten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Wachstums- und Verwaltungs-Dilemma

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was hat sich verändert

 

 

 

 

 

 

 

Wachsender Komfort

 

 

 

 

 

 

 

 

Reiseleiter (von Arthur Schnabl)

Bewegung als Stillstand.
Den Zufall disziplinieren.
Dem Abenteuer ein Gebiss einsetzen,
das jederzeit herausnehmbar ist.

 

 

Hartes Pflaster für Kulturreisen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alter und neuer Geist in Böhmen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Begegnung trotz Politik

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vielsagende (Neu)Bauten –
Gedächtnis in der Landschaft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwischen Rückzug und Offenheit

 

 

 

 

 

 

 

Man muss hinwandern!

 

 

 

 

 

 

Faszination Osten