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4. Tag - Neuer Jüdischer Friedhof, Auf Kafkas Spuren und Vitalis- Verlag

bewölkt, 3  bis 9 Grad

Der Morgen dient bei gutem Fotolicht einem Teilnehmer dazu, einige klassische Motive rund um die Karlsbrücke ohne gar zu viel Menschengewimmel auf die Banne zu platten.

Treffpunkt ist dann der gewaltige, 1891 außerhalb der damaligen Stadt gegründete Neue Jüdische Friedhof in Olschany. Dort findet man die neuere Geschichte des Prager Judentums. Hier liegen viele der Familien, die Prags Aufstieg zur Wirtschafts- und Kulturmetropole möglich machten. An Kafkas Grab eine verteilte Lesung von Kurzgeschichten und Apercús des Autors, z.B.

der Geier
Maus und Katz
verirrt im Gebüsch
Indianer und fehlendes Pferd

Der Friedhof ist tatsächlich das passende Ambiente für die den teils schrägen Humor, die Phantasie und die morbide Grundstimmung der Kurztexte. Es folgt das mit witzigen Devotionalien geschmückte Grab von Ota Pavek mit Lesung.

An der Nordseite dann die Gräber der reichen, assimilierten Juden wie von Julius Pletcek. Einige besonders schöne Grabstellen, Details im Jugendstil und Gebrauchslyrik lassen wir uns ebenfalls nicht entgehen.

Ein Mittagsimbiss in einer nahe gelegenen Gaststätte bringt viel Heiterkeit bei der Essenszuteilung. Sie klappt erst nach einigen Speiserochaden, ohne dass jeder sein bestelltes Essen erhalten hätte. 

Mit der Straßenbahn 5 dann zum alten Masaryk- Bahnhof. Auch dessen literaturhistorische Bedeutung wird uns nicht vorenthalten: Gelegentlich soll Franz Kafka von hier zu Dienstreisen als Versicherungsvertreter aufgebrochen sein. 

Jetzt folgen wir den Spuren der Literatengruppe um Kafka, Werfel, Brod und Kisch durch die Neustadt und später die Altstadt. Treffpunkt am Pulverturm, Stammtisch im Cafe Arco, Ladenlokale von Kafkas Vater, das Edelbordell in der Altstadt, das Gebäude der Arbeiter- Unfall- Versicherung. Angenehme Unterbrechung im Cafe Imperial, das in einer Art abessinischen Neobarock- Stil gekachelt ist. Gemeindehaus, Kinsky- Palais und Hus- Denkmal sind weitere Stationen unseres Spaziergangs am Rande des jüdischen Themas.

Nachdem die Reisegruppe mit Pflastertreten, Lesungen und Infos genügend gesättigt ist, folgt auf der Kleinseite ein Besuch beim rührigen Verlag Vitalis, der sich auf Prag- Literatur konzentriert. Harald Saalfellner ist dort Mädchen für alles und informiert uns persönlich über Idee, Konzept, Programm und wirtschaftliche Ausgangssituation sowie Erkennung von Touristen- Nationalitäten. Der gemeine deutsche Tourist zeichnet sich durch den Versuch englisch zu sprechen aus. Spätestens bei der englischen Vokabel für Briefmarke ( meist "marks" statt "stamps") scheitert dieser dann. Haralds Vortrag wird belohnt durch reichen Absatz der Verlags- Produkte in unserer Gruppe; besonders beeindruckend der Quadratmeter- Umsatz bei einer geschätzten Gesamtfläche des Ladens von vielleicht 18 qm. Dass er keine Kreditkarten nimmt, erweist sich für einen Teilnehmer als letztlich positives Gottesurteil - die Reisekasse wird geschont. 

Am Abend folgt endlich wieder eine Lesung am Tisch im Hotel. 

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Karlsbrücke
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Karlsbrücke
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Instruktionen am
  Friedhof Olsansky
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  Friedhof Olsansky
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Kafka- Grab 
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Lesung am Kafka- Grab 
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  Grab von Ota Pavek
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Lesung am Grab von Ota Pavek 
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Grab von Julis Pletcek
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Jugenstiliger Grabstein
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Grabstein
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Gebrauchslyrik 
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Treff auf dem Masaryk- Bahnhof
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Arco- Cafe
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Im Cafe Imperial
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Im Cafe Imperial
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Kafkas Arbeitsplatz: die Arbeiter- Unfall- Versicherung
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Gemeindehaus
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Kinsky- Palais
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Hus- Denkmal
 

Virtuelle Foto-Galerie Industriegeschichte und Kulturlandschaft | Stand: 19.01.02 | © Christian Brünig