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5. Tag - Theresienstadt

bewölkt, 5 bis 9°, nachmittags etwas Regen, Südwestwind

Der Tag dient der Besichtigung der ehemaligen Festung von 1780 und zwischenzeitlichen Konzentrationslager Theresienstadt. Wir treffen Pavel Stransky, der mit seiner vor vier Jahren verstorbenen Frau Vera überlebt hatte und uns sachlich, kompetent und ehrlich führt. Zum Beispiel drängeln wir uns mit 12 Leuten in einem bescheidenen fensterlosen Raum, den seinerzeit sich etwa 60 KZ-Insassen als Schlafraum  teilen mussten. Er berichtet uns in einem etwa halbstündigen Vortrag seinen Werdegang von Prag über Theresienstadt, Birkenau, Schwarzheide in der Lausitz, Todesmarsch nach Theresienstadt im April 1945, zurück nach Prag, Wiedersehen mit Vera. Seit 4 Jahren berichtet er über diesen Werdegang in ganz Europa vor allem in Schulen. In Westdeutschland hatte er die bislang besten Erfahrungen bezüglich Vorbereitung und Vorwissen.

Die eigentliche Stadt diente als Durchgangs- Konzentrationslager für insgesamt etwa 150.000 Juden, von denen die meisten nach der weiteren Deportation nach Birkenau umgebracht wurden. Etwa 34.000 starben hier an Hunger und verschiedensten Mangelkrankheiten und Seuchen. Die Besichtigung beginnt am Friedhof am Rande der Festung jenseits des Anschlussgleises, der bald nicht mehr ausreichte, so dass bis zu 120 Leichen am Tag im bald darauf fertig gestellten Krematorium verbrannt wurden. Im Innern neben dem teils erhaltenen, teils restaurierten Inventar Fotos und Repros über die Geschehnisse. Ein Denkmal erinnert an die verschiedenen Nationalitäten, deren Mitglieder hier umgebracht wurden. 

Die streng symmetrisch angelegte Stadt lässt die planmäßige Gestaltung noch heute erahnen und enthält eine denkmalwürdige Anhäufung der sonst im Schwinden begriffenen terrestrischer Fernseh- Antennen. Das recht aufwendig gestaltete Dokumentations- Zentrum in der Magdeburg- Kaserne zeigt einen Querschnitt aus den Lebensbedingungen im Lager und vor allem dem - trotz der Umstände - intensiven und gut nachvollziehbaren kulturellen Leben. Besonders die Kinder wurden  gefordert und gefördert durch Schule, Malerei, Musik, Theater, Lyrik. Wir hören einen Auszug aus der Kinderoper Brundibär.

Nach kompakter Mittagspause in einem liebevoll ausgewählten Restaurant geht es am Nachmittag zur "Kleinen Festung" jemseits der Stadbefestigung an der anderen Seite der Eger. Tatsächlich ist auch dies eine gewaltige Festungsanlage von etwa 1780, die durch die Entwicklung der Militärtechnik obsolet wurde. Sie diente danach als Gefängnis. Trauriger Höhepunkt dieser Entwicklung die Nutzung als Gestapo- Gefängnis für das Protektorat Böhmen und Mähren. Auch hier: die Behandlung der jüdischen Häftlinge war noch brutaler als die der übrigen. Einer der Waschräume war extra für einen Besuch der internationalen Rotkreuz- Kommission angelegt: vergleichsweise hübsch anzusehen, doch nie an die Wasserleitung angeschlossen. Entlausungsstation, Einzelzellen, Wachhof und Hinrichtungsstätten sowie auf dem Rückweg der Nationalfriedhof sind weitere Stationen.

In einer der Zellen war vorher für 4 Jahre der Attentäter von Sarajewo 1914 gefangen. 

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am Krematorium
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Gedenkstätte
am Krematorium
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Ofen im
Krematorium
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Sezierraum im
Krematorium
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Anschlussgleis
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Straße
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Fernsehantennen
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Festungswall
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Lagerhaus an der Eger
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Trakt der Einzelzellen
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Entlausungsstation
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Pseudo- Waschraum
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Hinrichtungstätte
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Pavel Stransky beim Vortrag
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Wachhof
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Nationalfriedhof
 

Virtuelle Foto-Galerie Industriegeschichte und Kulturlandschaft | Stand: 19.01.02 | © Christian Brünig