Das jüdische PragLiterarische und historische Streifzüge durch ein einzigartiges
Kulturphänomen. Teilnehmerzahl: 10 bis 18 Einen sehr ausführlichen Bericht zu dieser Reise mit über 50 hervorragenden Fotos hat unser Stammkunde Christian Bruenig verfasst. Reisebericht Jüdisches Prag Konzept Drei-Völker-Stadt Prag In seinen Glanzzeiten war Prag immer eine Drei-Völker-Stadt. Der Mythos von der "Goldenen Stadt" wurde von Tschechen, Deutschen und Juden geformt. Dabei spielte das Judentum nicht nur eine große eigenständige Rolle, es war auch eine Brücke im schwierigen Zusammenleben von Tschechen und Deutschen. In Prag entfaltete sich das Schicksal des europäischen Judentums in seinen glanzvollen und in seinen schrecklichen Aspekten besonders nachdrücklich: seiner Blütezeit in der Renaissance und der extrem fruchtbaren Kulturepoche des frühen 20. Jahrhunderts steht der perfide Plan der Nazis gegenüber, ausgerechnet die alte Judenstadt Prag zu einem Museum einer "ausgestorbenen Rasse" zu machen. Berühmtes und Verborgenes Geschichte und Literatur - laufen und lesen Reisebegleiter - Begegnungen Ständige Reisebegleiter sind Arthur Schnabl, Journalist und Literaturkenner und die Pragerin Dagmar Nemcova, Spezialistin für die jüdische Geschichte der Stadt. Dazu kommt tageweise der Prager Stadtführer Ing. Dusan Dohnal. Wir kommen auch mit Mitgliedern der jüdischen Gemeinde ins Gespräch und treffen, wenn es seine Zeit erlaubt, den Inhaber des Vitalis-Verlags, Dr. Harald Saalfellner. ReiseverlaufSamstag Ca. 18 h Treffpunkt im JugendstilHotel Europa am Wenzelsplatz (Genaues im Anschreiben). Prag ist mit dem Zug aus allen Städten der BRD gut zu erreichen. Ein kurzer Spaziergang über Wenzelsplatz und die anschließenden Straßen gibt einen ersten Einblick in die geistige Geschichte des modernen Prager Judentums: hier schrieb das "Prager Tagblatt" Zeitungsgeschichte und im Piaristenkloster lernten viele berühmte Autoren das ABC. Danach in einem gemütlichen Lokal Vorstellungsrunde und kurze Reiseeinführung. Sonntag: "Herr und Kammerknecht" - Kleinseite und Hradschin. Spaziergang über die idykllische Kleinseite und Novy Swet zum Hradschin, wo die böhmischen Könige und die habsburgische Kaiser saßen, die das Schicksal der Prager Juden in ihren Händen hatten und von deren Geld abhängig waren. Hier trafen sich Kaiser Rudolf II, sein Finanzier Mordechai Maisl und der berühmte Rabbi Löw. Der Schriftsteller Leo Perutz ("ein Fehltritt Agatha Christies mit Franz Kafka") hat dieses Verhältnis in seinem faszinierend vielschichtigen und spannenden Roman "Nachts unter der steinernen Brücke" beschrieben. Nachmittags zeigt Ihnen unser Prager Stadtführer, Ing. Dusan Dohnal, den Hradschin und den Veitsdom. Montag: "Vom Golem zur Moderne" - Das ehemalige Ghetto Das Herz des Prager Judentums lag in Josefov, der Josefsstadt. Seit tausend Jahren ist hier die jüdische Gemeinde ansässig. In der Literatur hat es das Prager Ghetto zu Weltruhm gebracht: durch Gustav Meyrinks "Golem". Nirgends läßt sich der ewige Widerstreit zwischen Tradition und Moderne, Orthodoxie und Assimilation, besser verfolgen. Vom ehemaligen Ghetto blieb wenig: das jüdische Rathaus und vier Synagogen, insbesondere die Altneusynagoge, das liturgische Zentrum des jüdischen Prag. Ein erster Gang konfrontiert uns mit dem Glanz der Spanischen Synagoge und dem Dunkel der uralten Altneu-Synagoge. Für diesen Tag ist ein koscheres Mittagessen im Gemeindesaal des Jüdischen Rathauses geplant. Nachmittags machen wir einen Abstecher zum Rudolfinum, wo ein Komponist die Nazis ärgerte Dienstag: Kafka und Kisch, oder: wie man die Welt betrachten kann Das jüdische Prag hat exemplarische Werke der literarischen Moderne hervorgebracht. Im Umkreis der Prager Altstadt mit ihrer bizarr verwin-kelten Architektur entstand Franz Kafkas uner-hörtes Werk, das wie keine andere Literatur die menschliche Existenz in ihrer Hoffnung und ihrer Sinnlosigkeit thematisiert. Im gleichen Lebenskreis wie der einsame Kafka jagte auch sein Gegenpol, der "rasende Reporter" E.E. Kisch nach Geschichten vom Menschen. Wir schlendern auf Kafkas und Kischs Spuren durch die Altstadt. Am Nachmittag erholen wir uns vom Großstadtgetriebe auf dem neuen jüdischen Friedhof, wo nicht nur Franz Kafka begraben liegt. Später Besuch der Franz-Kafka-Buchhandlung und ev. Gespräch mit dem Verleger Dr. Harald Salfellner Mittwoch: Mitten im Schrecken singen - ein Tag in Theresienstadt 60 km nordwestlich von Prag liegt das Städtchen Terezin mit seiner Barockfestung. Hier richteten die Nazis das "Vorzeige"- KZ Theresienstadt ein. Es war vor allem für böhmische Juden gedacht, die hier auf ihren Transport in die Vernichtungslager warten mußten. - Mitten im Schrecken versuchten die Menschen, mit Kulturveranstaltungen ihre Würde zu bewahren. Wir fahren mit dem Zug und gehen den Weg zehntausender Häftlinge zu Fuß vom Bahnhof Bohusovice nach Terezin (2 km). Begleiten wird uns jemand, der die NS-Greuel in Theresienstadt und anderen Lagern am eignen Leib erfahren hat. Donnerstag: Die Zerstörung des Tempels - die Vorstadt Líben Vormittags frei. Am Nachmittag erleben wir in der Prager Vorstadt Líben einen vergessenen Ort der Religion und Literatur voll Trauer und Würde. Hier hat sich Bohumil Hrabal, einer der größten tschechischen Autoren "verewigt". Danach Treffen mit Herrn Emil Svátek, dem "Schammes" der stillen Jerusalem-Synagoge. Gespräch über die heutige Situation der Prager Gemeinde. Freitag: Wände aus Namen - Pinchas-Synagoge Am Vormittag in der Klaus-Synagoge, wo jüdisches Leben- und Religion mit ihrer Vielzahl von Riten und Bräuchen erlebbar wird. Am Nachmittag eine eindrucksvolle Begegnung mit Orten des Abschieds und der Erinnerung: die stimmungsvolle Pinchassynagoge, deren Wände aus 80 000 Namen ermordeter Juden bestehen; und natürlich der alte jüdische Friedhof, der um diese Zeit hoffentlich etwas ruhiger ist. Wer Lust hat, wirft vom Letna-Plateau noch einen letzten stimmungsvollen Blick auf Prag: dort, wo ein verschwunde-nes Kolossal-Denkmal Bertold Brechts "Lied von der Moldau" ins Bewußtsein holt: "es ändern sich die Zeiten ..." Samstag Gemeinsames Frühstück - Rückfahrt. Abfahrtszeit je nach Bedarf, wir helfen bei der Organisation
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