Zeilenumbruch (Umschalt- + Eingabetaste)

Wander-Ausstellung


"Böhmische Dörfer -
Bilder zwischen Kultur- und Zeitgeschichte"


1. Grunddaten und Preis


Fotograf: Franz Bauer. Realisierung und Umsetzung: Evangelisches Bildungswerk Regensburg, Dr. Erwin Aschenbrenner (Begegnung mit Böhmen), Franz Bauer


Die Wanderausstellung kann angefragt werden bei:

Fotodesign Franz Bauer, Schlesierstr. 5, 93449 Waldmünchen Tel. + Fax: 0049-(0)9972-3682
Mengenangabe: 33 Rahmen in unterschiedlicher Größe, 91 Bilder und 4 Texte auf Karton, 2 Transportkisten (100 x 100 x 60 cm). Optimale Wandflächenlänge: 30 m. Empfohlene Ausstellungsdauer: 4 - 8 Wochen. Kosten : € 1000,-
Auf- und Abbau durch Franz Bauer ist inclusive, dazu kommen noch Bring- und Abholspesen (0,28 € / km). Wir empfehlen Ihnen gerne zusätzlich ReferentInnen und Künstler für ein hervorragendes und passendes Böhmisches Rahmenprogramm. Die Ausstellung wurde unter anderem bereits gezeigt in: Regensburg, Neumarkt, Bayreuth, Neukirchen Hl. Blut, Hengersberg


2. Kurzinhalt


Die Ausstellung stellt - bewußt enthaltsam - zwei Orte gegenüber, die eine sehr unterschiedliche Vergangenheit, eine ebenso unterschiedliche Gegenwart und wohl auch eine divergierende Zukunft haben. Das Drama der Böhmischen Geschichte dieses Jahrhunderts zeigt sich an den beiden Orten auf je eigene und in der Zusammenschau auf sehr differenzierte Art. Es ist eine Momentaufnahme, die die Wanderausstellung zeitlos macht. Man kann sie heute (1997) zeigen und Sie wird bis ins Jahr 2000 oder 2010 an Eindrücklichkeit noch zunehmen.


Zu den Orten der Momentaufnahme:


Dobra Vodá (Gutwasser) liegt ca. 20 km vom Grenzübergang Bayerisch Eisenstein in der Gemeinde Hartmanice an einer der wenigen Autostraßen, die durch die "ausgesiedelte" menschenleere Kulturlandschaft des späteren Niemandslandes und heutigen Nationalparks Böhmerwald führt. "Bereits die Fahrt zu dem Zielort bewirkte in mir das Gefühl der Verlassenheit. Dieser Eindruck wurde am Ort selbst gegenwärtig. Wie war es wohl, als hier vor kurzer Zeit die Häuser noch bewohnt waren? Vieles an improvisiertem, baulichen Kauderwelsch läßt über die Vergangenheit vermuten, wie die Leute hier lebten. Ein Ort der inneren Ruhe ist der Friedhof und lädt zum stillen Verweilen ein. Drei Tage genoß ich diese Stille, die im ganzen Ort zu spüren ist."

(Franz Bauer)

Cesky Krumlov (Krumau) liegt in Südböhmen an der Moldau,gut 20 km nördlich der österreichischen Grenze und 20 km südlich von Budweis. "Fünf Tage dauerte mein Aufenthalt und der erste Bummel durch die Stadt war wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Während dieser Wintertage kamen der alte Geist und die Schönheit der Altstadt besonders gut zur Geltung. Doch da und dort wurde ich sehr schnell in die Gegenwart zurückgeholt und die Phantasie möchte man gar nicht in die Zukunft schweifen lassen. Es zeigt sich, daß viele Schätze behutsam gehoben und andere bereits zerstört worden sind. So gesehen ist Krumau metaphorisch gesagt doch ein "Böhmisches Dorf".

(Franz Bauer)

3. Pressearikel:

... Dr. Erwin Aschenbrenner, der den Anstoß zu der Ausstellung gab, ist in den vergangenen Jahren vom Fernreisenden zum erklärten Böhmerwald-Verehrer geworden. Er vermittelte bei seinem Eröffnungsvortrag in Neukirchen Impressionen aus der Heimat Adalbert Stifters. Mit seiner audio-visuellen Literaturreise in Form einer Tonbildschau entführte er die Besucher der Ausstellungseröffnung an Originalschauplätze wie den Urwald am Kubani. Zauberhafte Klänge moderner Musik verstärkten die Eindrücke der faszinierenden Bilder ... Eigentlicher "Macher" der Ausstellung ist Franz Bauer. ... Mit dem geschulten Auge eines ambitionierten Fotografen geht er den Dingen auf den Grund und fördert manche Ungereimtheiten zwischen Geschichte und Gegenwart, Anspruch und Wirklichkeit zutage. Er zeigt dabei ein ausgeprägtes Gespür für das scheinbar Unscheinbare, das seine Fotos zu kritischen Zeitdokumenten werden läßt. ...

(Kötztinger Zeitung, 22.3. 1997)

4. Hintergrundtexte + -bilder

Dobrá Voda (Gutwasser) - Vom Wallfahrtsort zum Militärstützpunkt. Es gibt kaum einen Ort, wo sich so direkt und anschaulich christliche Tradition und deren Zerstörung durch Machtpolitik und Militär erfahren läßt, wie in Dobrá Voda (Gutwasser). Am Hügel oberhalb des Dorfes hat Mitte des 11. Jahrhunderts der Heilige Gunther, ehemals thüringischer Gaugraf, Vetter des Kaisers Heinrich II und Freund des Böhmischen Herzogs in Prag, als Eremit seinen Lebensabend verbracht. Er gilt als Volksmissionar und Friedensstifter mit dem Osten. Erster Besuch Mai 1990: Zentral steht noch die Ruine der Kirche, auf zwei Seiten umgeben von einem Friedhof, erkennbar an den im Brennesselgestrüpp wild durcheinanderliegenden schmiedeeisernen und hölzernen Kreuzen. Zwei der ehemals vielleicht 300 Gräber sind schon gepflegt. Der an die Dramen des Nationalsozialismus und der Vertreibung erinnernde Ort hatte und hat eine schwer zu beschreibende Ausstrahlung - ein Ort der Ruhe, ein 'wirklicher' Friedhof. Gegenüber Kirche und Friedhof schimmert am abgebröckelten Verputz eines Gebäudes das Wort "Volksschule" durch. Die Schule und weitere Gebäuderuinen waren bis vor wenigen Jahren Verwaltungssitz eines riesigen Militärbezirks entlang der Bayerisch-Böhmischen Grenze. Heruntergekommen waren die Häuser auch schon zur Zeit der Grenzöffnung 1990, als die Verwaltung den Abzug der Soldaten und ihre eigene Auflösung organisieren mußte. Wir wollten uns hier im Mai 1990 eine Erlaubnis für Radtouren durch das Immer-noch-Niemandsland besorgen, fanden aber in den offenstehenden Büros außer Akten nur Hühner vor. Erst im dritten Anlauf fand sich auch ein Militärbeamter. Er drückte uns gleichgültig auf einen Fetzen Papier einen Stempel, der dann an den Schranken tatsächlich als Durchfahrtserlaubnis galt. Ein paar Monate später waren die Schranken weg.

In einem der Verwaltungsgebäude ist der Rabbiner Óimon Adler geboren, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde. Das Haus ist das dritte, das nach einem Privathaus und der Kirche renoviert wird. Es soll ein Museum zur Erinnerung an die Opfer der Gewalt werden. Auf dem Friedhof wurden in den letzten Jahren immer mehr Gräber wiederentdeckt. Die Angehörigen lassen sie meist von alten Leuten aus der Umgebung pflegen. Freilich werden unter dem Gestrüpp viele Namenstafeln unentdeckt bleiben. Seltsam mutet die renovierte Mauer um das Freidhofsgelände an, ein Kontrast zu der friedlichen Wildnis der Gräber. Vor der Renovierung war das Kircheninnere nur ein riesiger leerer Raum mit bröckelnden Stuckdecken, der Altar ein bloßer Ziegelhaufen, verfallene Holztreppen zur reich verzierten Empore. Die Kirche soll, so erzählte uns ein deutschstämmiger Besucher, vor 1990 als Waffenlager gedient haben. Mythos oder Wahrheit - die Gitterstäbe an den Fenstern lassen es jedenfalls möglich erscheinen. Dies würde auch erklären, warum man die Kirche neben den Hauptverwaltungsgebäuden des Militärs hat stehen lassen, obwohl ringsum alle Dörfer gänzlich zerstört worden waren. Ein weiteres Gerücht geht um: Ein ehemaliger Einwohner jüdischer Abstammung, der vor den Nazis in die USA geflohen ist, soll 4 Millionen Dollar für den Wiederaufbau der Kirche und der Hausruinen gesammelt haben. Der Bürgermeister der Gemeinde Hartmanice, zu der jetzt Dobrá Voda gehört, weiß davon allerdings (noch ?) nichts.


Cesky Krumlov (Krumau) - Kulturidyll an der Moldau

Zwischen touristischer Traumstadt und totem Museumsdorf. Krumau hat es schriftlich: die UNESCO hat die kleine südböhmische Stadt nahe Budweis als bedeutendstes europäisches Denkmalensemble nach Venedig eingestuft.
Um die dicht zusammenliegenden Sehenswürdigkeiten aufzuzählen oder auch nur einige davon adäquat zu beschreiben, müßte man ein dickes Buch schreiben. In allen Gassen und Hinterhöfen, Laubengängen und Gewölben, Ballustraden und Nischen, in den ehemaligen Bürgerhäusern, Klöstern, Kirchen und Kapellen, im Turm und im Schloß und selbst noch unten in der Vorstadt ist das Mittelalter greifbar, findet man ein Neben- und Übereinander von Fassaden, Stuck und Fresken aus Gotik, Renaissance, Barock, Rokoko.

Adalbert Stifter beschreibt die einfache Geographie Krumaus: »Die Moldau macht einen Ring, dann macht sie außerhalb desselben einen zweiten verkehrten und dann noch einen größeren, der wieder verkehrt ist und aus ihm stehen gerade Felsen empor.« Im ersten Ring auch heute noch kleine vorstädtische Siedlungen, im zweiten engen die Altstadt mit dem Stadtplatz, dem ehemaligen Jesuitenkloster (16. Jahrhundert, heute Hotel Ruúe) und der Dekanatskirche St. Veit (15. Jahrhundert) als eine Dominante. Im dritten Ring schließlich liegt das ganz alte Krumau mit dem bis 1555 selbständigen Stadtteil Latron, dem Minoritenkloster, der Jodokuskirche (ursprünglich Spital, 14. Jahrhundert) und der Burg auf dem Felsen, dem heutigen Schloß, das dem Hradschin in Prag weder an Schönheit noch an Mächtigkeit nachsteht. Der runde Burgturm ist die eigentliche Dominante der Stadt und gilt vielen als der schönste in Europa. Die jahrelangen Renovierungsarbeiten an der gesamten Fassade und dem Arkadenumgang sind seit 1995 weitgehend abgeschlossen. Der obere Teil ist ein Werk der Renaissance, der Grundbau des Turms aber gehört zu dem ältesten Gebäude in Krumau, dessen Geschichte mit der Burg auf dem Moldaufelsen begann. So steht es auch im Schlußsatz von Stifters Roman Witiko: »Er hatte in späten Jahren noch eine große Freude, als sein Sohn Witiko auf dem Fels der Krummen Au, die nun zu Witikos Stamme gehörte, eine Burg zu bauen begann.« Das war etwa im Jahr 1240. Nach Aussterben der Krumauer Linie im Jahre 1302 übernahm die Rosenberger Linie der Witigonen die Herrschaft. Sie waren mit ihrem Krumauer Stammsitz oft mächtiger und reicher als der König in Prag.

Im Schutz und zu Diensten der Burg kamen Siedler aus Bayern und Österreich in die neue Stadt. Im 16. Jahrhundert begann die Ausbeutung der Silberminen in den umliegenden Bergen und mit den riesigen Gewinnen bauten die Rosenberger die Burg zu einer Renaissanceresidenz aus. - Um 1600 waren die Silberminen erschöpft und der letzte Rosenberger, Peter Wok, verkaufte die Herrschaft Krumau an den Habsburger Kaiser und Herrscher in Prag. Der schenkte sie schon 1622 einem getreuen katholischen Feldherrn des dreißigjährigen Krieges, Freiherrn von Eggenberg. - Durch Heirat kam 1717 die Herrschaft an die Fürsten von Schwarzenberg, die bis zur Übernahme durch die kommunistische Regierung 1947 in Südböhmen regierten. Das Schwarzenberger Wappen (Türkenkopf und Rabe) begegnet einem in Krumau fast so häufig wie die fünfblättrige Waldrose der Rosenberger. Die Schwarzenberger ließen Mitte des 18. Jahrhunderts die ebenso mächtig wie grazil wirkende Mantelbrücke zwischen Schloß und Park bauen. Ferner entstand in der Zeit durch den Maler Josef Lederer innerhalb weniger Wochen der beeindruckendste Raum, den man bei der Schloßführung zu Gesicht bekommt: Der Maskensaal mit seinen raffinierten Illusionsmalereien. Rilke bezeichnet ihn in seinen »Böhmischen Schlendertagen« als »einzig in seiner Art. Die ganzen Wände sind mit überlebensgroßen, voll heiterer Ironie gemalten Figuren bedeckt. Da sieht man Ritter und Herren, edle Frauen und würdige Matronen, Zwerge und Riesen, Harlekins und Zauberer in buntem Gewimmel. ... Die Fülle der Personen und die wunderbare naive Plastik derselben machen einen geradezu betäubenden Eindruck.«

Denkmalschützer sind von Krumaus Altstadt begeistert, weil sich hier in der Bausubstanz seit 1800 kaum mehr etwas geändert habe. Und doch ist Krumau heute nicht einmal gegenüber 1989 wiederzuerkennen. Das liegt weniger an den teils recht guten, weil nicht überhasteten Renovierungsarbeiten, es liegt am neuen Geist der Stadt. Makler, Spekulanten, Händler ließen sich als Geschäftsinhaber nieder. »Bei der sanften Revolution haben wir von denen nichts gesehen«, schimpfen die Einheimischen. Ohnehin kommen die Geschäftemacher fast alle von auswärts. Sie übernehmen - oft zu Spottpreisen - die wertvollsten Gebäude und erhalten zwar meist die Fassaden, wie es das Denkmalamt fordert. Hinter den Fassaden aber stehen Boutiquen, Banken, Bistros und Souvenirläden.
Wer von den (meist nach der Vertreibung hier angesiedelten) Altstadt-Krumauern möglicherweise selbst eine Wohnung renovieren will, hat bei normalen Geldeinkünften keine Chance. Viele Mieter müssen aufgrund der ständig steigenden Kosten gehen. Der massenhafte Tagestourismus hat Krumau zur zweit-teuersten Stadt Tschechiens gemacht. Der Wandel traf insbesondere Zigeuner, die unten an der Óiroka, wo jetzt das Schiele-Museum eingerichtet wurde, wohnten. Ihr Lebensstil passt nicht zu dem neuen touristischen Image des »Böhmischen Rothenburg«. Innerhalb von 5 Jahren hat sich die Bevölkerungszahl der Altstadt von Ãesky Krumlov halbiert. Das hat es nicht einmal zu Zeiten der großen Pestepidemien gegeben. Und die Dezimierung der Bevölkerung schreitet fort. Krumau droht zu einer toten Einkaufs- und Museumsstadt zu werden.

Nach einem langen Dornröschenschlaf und dem zwei schöne Jahre dauernden Erwachen ist Krumau, die mittelalterliche Märchenstadt, mit aller Gewalt entdeckt worden. Viele der Vorboten der Entdeckung, etwa junge Künstler aus USA, Australien, Westeuropa, die 1990 in dem preiswerten Idyll ihre Wohnung nahmen, ziehen wieder ab. Heute drängeln sich im Sommer vom späten Vor- bis zum späten Nachmittag Tausende von Tagestouristen durch die engen Gassen und Geschäfte der Stadt. Ruhig ist es im Stadtmuseum 200 m oberhalb des Ringplatzes. Es gibt einen guten Überblick über die Geschichte der Region und hat ein einzigartiges Keramikmodell: Stadt und Schloß im Jahre 1800 im Maßstab 1:200. Der Blick aus dem Museumsfenster zeigt sehr anschaulich, wie wenig sich tatsächlich an der Bausubstanz geändert hat. Das Schielemuseum 100 m unterhalb des Ringplatzes wurde 1993 eröffnet. Es ist eine Hommage an das Leben und Werk Egon Schieles, der in der Geburtsstadt seiner Mutter ein Haus gemietet hatte und immer wieder den Blick vom Turm auf das Dächerwirrwarr und die Felderlandschaft (heute von sozialistischer Vorstadtarchitektur versiegelt) malte. Menschenleer übrigens, denn die »Stubenhockerhäusler«, wie er die Bewohner nannte, blieben ihm fremd. Als er Akte von jungen Mädchen malte, mußte er gehen.

Ein menschenleeres Krumau ist in den Sommermonaten heute nicht mehr vorstellbar. Sehr viel ruhiger ist es im Spätherbst und Winter (wobei dann das Schloß geschlossen hat). - Speziell im Sommer sollte man nicht nur als Tagestourist bleiben. Als Übernachtungsgast hat man den eminenten Vorteil, daß sich morgens bis 11 h und abends nach 17 h, wenn die Busse und Autos alle weg sind, noch ein wenig von der alten und neuen Idylle erleben läßt: Sich in der Enge der Stadt zu verlieren, in den verwinkelten Gassen und Plätzen und Höfen am Moldauufer, in einer der altehrwürdigen Gastwirtschaften oder bei einem der bekannten Konzerte im Schloßgarten mit Renaissancemusik, einer barocken Theateraufführung oder einem der in Tschechien unvergleichlich lebendigen Folk- und Rockkonzerte.  

Tschechien

Tschechische Dörfer

Tschechische Dörfer

Tschechische Dörfer

Tschechische Dörfer

Tschechische Dörfer

Tschechien

Tschechien

Tschechien

Tschechien

Tschechien

Tschechien



Tschechien

Tschechien

Tschechien

Tschechien

Tschechien

Tschechien

Tschechien

Tschechien

Tschechien